Willkommen bei der IG Metall

IG Metall: die Gewerkschaft in der ITK
Die Informationstechnologie- und Telekommunikationsbranche (ITK) gehört zu den größten Arbeitgebern in Deutschland. Seit mehr als 40 Jahren gestaltet die IG Metall mit den Beschäftigten aktiv die Arbeitsbedingungen in der Branche mit. In nahezu allen ITK-Unternehmen engagieren sich unsere Mitglieder für sichere Arbeitsplätze, Gute Arbeit und gerechte Einkommen. In großen und in kleinen Betrieben stehen wir den Beschäftigten kompetent zur Seite, beraten und informieren sie. Unsere Tarifverträge und Entgeltanalysen wirken weit in die Branche.

ITK-Sektor - ITK-Arbeitsmarkt / Betrieb & Praxis - HP / Betrieb & Praxis - IBM / Betrieb & Praxis - SAP / Betrieb & Praxis - T-Systems

Alles im Fluss: Konsolidiert oder zerlegt sich die ITK-Branche?

30.09.2016 | Die ITK-Branche befindet sich in einem rasanten Wandlungs- und Transformationsprozess. Die Digitalisierung betrifft heute bereits alle Industriesektoren und Kundenbereiche, bei den meisten gehört die IT inzwischen zum Kerngeschäft. Was ändert sich dadurch für die „klassische“ ITK-Branche? Hält sie dem Wandel stand oder löst sie sich auf? Ein Blick auf einzelne ITK-Unternehmen zeigt: Alles ist derzeit im Fluss – doch die Risiken tragen die Beschäftigten.

Für Meg Whitman, CEO und Präsidentin von Hewlett Packard Enterprise, ist die ITK-Branche auf dem besten Weg, sich zu konsolidieren. „Alle zehn bis 15 Jahre verschieben sich in der Branche die tektonischen Platten. Danach hat sich die Industrie neu aufgestellt“, erklärte sie 2015. Aber noch steckt die Branche mitten im Verschiebeprozess.
Übernahmen sind in Mode gekommen. Der Markt läuft sogar heiß. Von einer „Saison der Übernahmen“ spricht Salesforce-Chef Marc Benioff. Nach Meinung von Pat Gelsinger, Chef des US-amerikanischen Softwareunternehmens MWare, werden „mindestens 50 Prozent der IT-Firmen in der Top 100 vom Markt verschwinden.“
Kaufen! Kaufen! Kaufen! – So könnte man das aktuelle Motto der Branchengrößten beschreiben. Es scheint, als sähen sie für sich keine besseren Anlagealternativen, zumal das Wachstum eines Unternehmens immer noch der größte Kurstreiber an der Börse ist.
Allein im letzten Jahr haben Apple, Facebook, Google, Microsoft, Salesforce , Twitter und Yahoo zusammengerechnet 71, 2014 sogar 201 Zukäufe getätigt. Und auch in diesem Jahr dürfte ihr Kaufrausch noch kein Ende finden.

Deutsche ITK-Branche: alles fließt …
Neues einverleiben und Altes abspalten: Diese Strategie lässt sich auch in der deutschen ITK-Branche beobachten. Hier gibt es ebenfalls Anzeichen dafür, dass sie einen Konsolidierungsprozess zu durchläuft. Das zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) aus 2015 über Fusionen und Übernahmen in der deutschen Industrie. Danach wurden im Durchschnitt der letzten Jahre knapp 60 Prozent der Zusammenschlüsse mit IT-Unternehmen in der Branche selbst vorgenommen.

SAP: Trendsetter
„Schön, dass wir wieder so fit sind!“ zitierte das Handelsblatt den SAP-Chef Bill McDermott in seinem Bericht über die SAP-Hauptversammlung im Mai dieses Jahres. Der Umsatz sei gestiegen, das Zukunftsgeschäft mit dem Cloud Computing brumme.
Mit etlichen Übernahmen – vorwiegend von IT-Firmen aus den USA – hat SAP sein Geschäft, insbesondere seine Cloud-Angebote, in den vergangenen Jahren gestärkt. Zugekauft wurden seit 2008 unter anderem Business Objects, Sybase, Sucess Factor, Ariba, Hybris, Fieldglass und 2014 – für
6,2 Milliarden der größte Deal der Firmengeschichte – der amerikanische Reisekostenspezialist Concur.
Diese Neuausrichtung hat den Walldorfer Software-Konzern nach 2008 einiges an Geld gekostet. Ein rigider Sparkurs war die Folge, der mit Stellenabbau einherging. Die IG Metall mutmaßte damals, dass SAP im Schatten der Finanzkrise versuche, den Börsenkurs auf Kosten der Belegschaft zu erhöhen. Rund 3000 Beschäftigte wechselten seither allein in Deutschland ihre Position – zumeist aus Bereichen mit geringeren Wachstumsraten. Viele wurden allerdings auch mit Hilfe von Freiwilligenprogrammen und Abfindungen „zum Gehen bewegt“. Inzwischen schreckt der Konzern nicht einmal mehr vor betrieblichen Kündigungen zurück. Zum 31. Dezember 2017 soll sogar ein ganzer Standort (Göttingen) geschlossen werden (siehe auch Seite 4).
Viele SAP-Betriebsräte betrachten diese Neuausrichtung jedoch mit einiger Skepsis. SAP-Betriebsrat und IG Metall-Mitglied Eberhard Schick gibt zu bedenken, dass trotz aktuell steigender Umsätze längst nicht gesichert sei, dass sich das Geschäft mit Programmen, die über die Cloud nutzbar seien oder „on demand“ vom Kunden im Mietmodell bezahlt würden, in Zukunft so entwickele, wie SAP dies hoffe. „Bisher verdient der Konzern das meiste Geld mit ,klassischen‘ Softwarelizenzen. Was passiert aber, wenn die Lizenzumsätze einbrechen und die Ausrichtung auf die Cloud die Profitabilität des Konzerns dauerhaft belastet?“ Bereits 2015 lag die operative Marge bei 20,5 Prozent und damit deutlich niedriger als in den Jahren zuvor. Zudem muss SAP für sein Cloud-Geschäft verstärkt investieren, etwa in Rechenzentren – auch das drückt auf den Gewinn. „Es ist daher noch recht ungewiss, wann es aus der Cloud endlich gute Ergebnisse regnet“, argwöhnt Schick.

IBM: schmerzhafte Neuausrichtung
Auch der amerikanische Technologiekonzern IBM richtet sein Geschäft seit einigen Jahren verstärkt auf neue Wachstumsbereiche aus. Dazu zählen Big Data, maschinelle Lernverfahren, Analytics und Cloud-Technologie sowie Security. Entsprechend organisiert IBM seine Zukäufe. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres schloss Big Blue elf Übernahmen mit einem Gesamtwert von 5,4 Milliarden Dollar ab. Auf der anderen Seite werden traditionelle IBM-
Geschäftsbereiche wie die Chip-Herstellung heruntergefahren.
Diese Neuausrichtung ist mit schmerzhaften Umsatzbußen einhergegangen. Sie betrafen insbesondere die „klassischen“ IBM-Sparten Hardware, Software und Services. Bereits seit fünf Jahren schrumpfen die Umsätze. Auch für 2016 und 2017 erwartet IBM Umsatzrückgänge. Aber irgendwann soll es endlich wieder aufwärts gehen. Immerhin seien – laut IBM – die Umsätze in den Zukunftsbereichen Cloud-Dienste, Daten-Analyse auf der Basis der Supercomputer-Technik Watson und künstliche Intelligenz im
2. Quartal 2016 um 12 Prozent gestiegen. IBM-Chefin Virginia Rometty gibt sich zuversichtlich.
Auch hier haben die Beschäftigten die Folgen dieses Umbaus in den zurückliegenden Jahren deutlich zu spüren bekommen: gar keine oder nur marginale Entgelterhöhungen, 40-Stunden-Woche und regelmäßig Mehrarbeit („Arbeiten ohne Ende“), massiv gekürzte Rentenpläne. Seit Jahren werden Stellen gestrichen. Noch vor sieben Jahren arbeiteten noch gut 21000 Beschäftigte bei IBM in Deutschland, 2015 waren es nurmehr rund 16500. Auch weltweit beschäftigt der IT-Konzern deutlich weniger Menschen: 2013 arbeiteten bei Big Blue noch 431000 Beschäftigte, 2015 waren es knapp 378000. Nun will IBM in Deutschland weitere knapp 1000 Stellen abbauen. Betroffen sind vor allem die Service-Bereiche hierzulande. Eine Betriebsstätte in Hannover soll sogar komplett geschlossen werden.
Dagegen haben Gewerkschafter und Beschäftigte bereits protestiert. „Statt in Forschung und Entwicklung sowie neue Produkte und Dienstleistungen zu investieren, wurden Milliarden von Dollar an der Börse verbrannt“, werfen sie dem Management vor. In einem offenen Brief der Verdi-Tarifkommission und -Betriebsgruppenvorsitzenden im IBM-Konzern an die deutsche Geschäftsführung heißt es weiter: „Seit 2000 wurden über 165 Milliarden Dollar für Aktienrückkäufe und Dividenden verschwendet. Diese verfehlte Unternehmenspolitik rächt sich jetzt. IBM droht in vielen Bereichen die Rolle als weltweit führender IT-Konzern zu verlieren oder hat es schon.“ Die Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter fordern den Konzern auf, die geplanten Stellenstreichungen zurückzunehmen und wieder „in das wichtigste Kapital zu investieren, dass die IBM hat: die IBMerinnen und IBMer mit ihren Ideen und ihrem Engagement“.
Es herrscht eine verstärkte Atmosphäre der Angst bei IBM, geben die Gewerkschafter zu verstehen. Diese vermag auch die immer wieder von den Chefs und Investoren beschworenen Erfolgsaussichten der Neuausrichtung nicht zu überdecken. Tatsache ist nun mal, dass die Konzentration auf die neuen Zukunftsfelder bislang nicht ausreichte, um neues Wachstum zu bewirken. Trotzdem wird heftig weiter umgebaut, zugekauft, abgestoßen – oft planlos und zumeist ohne umfassende Risikoanalyse.
„Neben beträchtlichen Beträgen für Aktienrückkäufe steckte IBM in den vergangenen Jahren viel Zeit und Energie in Zukäufe, Abspaltungen und Arbeitsverlagerungen“, sagt Frank Methling, IG Metaller und Mitglied im Aufsichtsrat der IBM Deutschland GmbH. „Einbringen konnten Einzelne sich nur spärlich. Derzeit fangen die Bereiche wieder an, sich um die Ideen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu bemühen. Allerdings müssen diese zu diesen Abläufen auch wieder Zutrauen gewinnen.“
Die Art der Beschäftigung habe sich stark gewandelt, so der Metaller. Allein in Bangalore arbeiteten schon jetzt 50000 Menschen für IBM rund um die Uhr. IBM plane, in lokalen Clustern – unter anderem auch in Europa – automatisierte und standardisierte Leistungen zu erbringen und zu Billigpreisen anzubieten. Sich fließend ändernde Ansprechpersonen, Prozesse und Strukturen hätten vor allem die Kultur massiv verändert.
„Es findet kein Dialog mehr statt. Die Fronten bei IBM sind verhärtet“, sagt Methling und mahnt eine neue Beteiligungskultur an. „IBM braucht Ideen für nachhaltige Innovationen und jede Menge Kreativität, um den Kunden Lösungen in einer sich schnell ändernden Prozesslandschaft anzubieten. Das aber geht nur gemeinsam mit den Beschäftigten und ohne Scheuklappen wie Budgetgrenzen, betriebsbedingte Kündigungen und ein Klima der Angst.“

Hewlett Packard: relevant bleiben
Bei Hewlett Packard spielt sich derzeit die bedeutendste IT-Service-Hochzeit des Jahres ab. „Zwei Sterbende, die sich stützen? Oder Vernunftehe eines alternden Liebespaares?“ fragte die „Computerwoche“ in ihrer Ausgabe vom 1. Juni 2016 Analysten, nachdem der IT-Dienstleister CSC und Hewlett Packard Enterprise (HPE) Ende Mai angekündigt hatten, die Servicesparte von HPE an CSC zu verkaufen. Die HPE Aktionäre werden mit 50 Prozent an dem neuen CSC – „Merge-Unternehmen“ beteiligt sein. HPE wird keine direkte Beteiligung an dem neuen Unternehmen oder CSC halten und nur durch „Partnerschaftsverträge“ mit der CSC verbunden sein.
Hewlett Packard unternimmt damit einen weiteren großen Schritt, um sich für die Digital-Ära neu aufzustellen und relevant zu bleiben. Ende 2015 war es bereits zur Spaltung des Konzerns in die Hewlett Packard Company (HP Inc.), die das Geschäft mit Druckern, Druckersysteme und PCs betreibt, und HPE, das sich auf Technologie-Infrastruktur/-Netzwerke, Software und Services konzentriert. 252000 Beschäftigte weltweit wechselten dabei zu HPE, rund 50000 Beschäftigte blieben bei HP Inc. Seither ist HPE kontinuierlich dabei, Bereiche abzuspalten und zu verkaufen. Das hat auch in Deutschland weitreichende Folgen für die rund 7000 Beschäftigten an verschiedenen HPE-Standorten.
Zum 1. August 2016 überließ das Unternehmen rund 900 Beschäftigte der Manpower-Tochter Proservia. Einen Monat später lagerte HPE etwa 300 SAP-Experten an den IT-Dienstleister Datagroup aus. Jetzt steht die im Mai angekündigte neuerliche Aufspaltung an. HPE wird das Enterprises Services-Geschäft an CSC abgeben. Diese Abspaltung soll bis Ende März 2017 abgeschlossen sein. Von ihr könnten bis zu 3000 Mitarbeiter betroffen sein. Verhandlungen zu einem Interessenausgleich wurden gerade aufgenommen.
Und nun der jüngste Coup: HPE hat neuerdings verlauten lassen, seine Softwaresparte an das Softwareunternehmen Micro Focus zu verkaufen. Überdies ist eine weitere Geschäftspartnerschaft mit Micro Focus – unter dem Namen SUSE – geplant.
Dennoch bleiben viele Analysten skeptisch. Sie sehen derzeit zwei Riesen am Werk, bei denen sich Probleme vervielfachen, mit denen sie heute schon kämpfen – und dies in einem nicht mehr zeitgemäßen klassischen IT- und Anwendungsgeschäft.
Die Beschäftigten schockt das alles nicht mehr. Bereits 2012 hatte HP in Aussicht gestellt, im Rahmen des Konzernumbaus weltweit 34000 Stellen abzubauen, 2014 wurde der angekündigte Stellenabbau sogar auf 45000 bis 50000 nach oben korrigiert. Davon betroffen war in Deutschland vor allem der Standort Rüsselsheim, der 2014 geschlossen wurde. Für die deutschen Standorte gab es ein Freiwilligenprogramm für ausscheidungsbereite Kolleginnen und Kollegen. Manche fühlten sich gedrängt, viele trieben aber auch Frust und Demotivation dazu, das Unternehmen zu verlassen. Denn der interne Stellenabbau hält weltweit an.
Die HP-Betriebsräte tun, was sie können, um erreichte Standards zu halten und die Beschäftigten zu schützen. Bei den Verhandlungen über die Auslagerung der Stellen zu Proservia und Datagroup pochten sie auf eine Beschäftigungssicherung und Bestandsgarantien über fünf Jahre. Diese war genauso wenig durchsetzbar wie Rückkehrgarantien. Stattdessen hat HPE sowohl Proservia als auch Datagroup ein bestimmtes Auftragsvolumen über fünf beziehungsweise sieben Jahre garantiert. Betriebsräte und IG Metall befürchten, dass sich innerhalb kurzer Zeit die Arbeitsbedingungen, Gehälter und Sozialleistungen verschlechtern werden. Für sie handelt es sich bei diesen Deals in erster Linie um „eine Personalabbaumaßnahme“. Es bleibt zu hoffen, dass die Beschäftigten bei den neuen Verbundpartnern nicht von einem zusätzlichen Personalabbau betroffen sind und die Verbundpartner die Arbeitsplätze langfristig erhalten.
Die Betriebsräte sind beunruhigt, dass es weder bei HPE noch bei den „Verbundpartnern“ Proservia und Datagroup starke und etablierte Mitbestimmungsstrukturen gibt. „Wir haben alle Hände voll damit zu tun, neue Betriebsratsstrukturen aufzubauen, um auf Augenhöhe mit dem Arbeitgeber verhandeln zu können. Und schon haben wir es mit CSC und Micro Focus wieder mit einer neuen Situation zu tun! Wir sind doch nicht Spielball des Managements!“, klagt Claus Henrici, IG Metall- und Gesamtbetriebsratsmitglied bei HPE. „Die Synergien, die beim einem ,Merge‘ mit CSC entstehen sollen, sind bestimmt schon vorher beziffert worden. Man darf daher getrost davon ausgehen, dass die Belegschaft von einem weiteren Personalabbau nicht geschont wird! Dies drückt auf die Motivation der Beschäftigten – und ist letztlich Gift für Innovationen, die das Unternehmen dringend braucht.“

T-Systems: kritische Transformation
Auch T-Systems nimmt verstärkt Kurs auf die neuen Wachstumsfelder Cloud und Big Data. Das fällt dem Unternehmen, das sich seit seiner Gründung 2000 noch immer an den Folgen der Zusammenführung von Teilen der ehemaligen Telekom mit dem IT-Dienstleister Debis Systemhaus abarbeitet, nicht leicht. Die Herkulesaufgabe besteht darin, zwei völlig unterschiedliche Unternehmens- und Arbeitskulturen zu integrieren und neue funktionale Strukturen aufzubauen, die den seit 2014 eingeschlagenen neuen Kurs tragen helfen.
Seit Jahren arbeitet das Unternehmen an seinem Unternehmensprofil. Es gab zahlreiche Versuche von Verkäufen und Fusionen, ständig änderten sich die Schwerpunkte. Mit der Neuausrichtung von 2014 steht fest: Die Deutsche Telekom will ihr Tochterunternehmen auf drei Säulen stellen:
■ profitable klassische IT-Dienste für Firmenkunden, die ins Cloudzeitalter überführt werden sollen,
■ Digital Division, die sich mit den Zukunftsthemen „Industrie 4.0“, „intelligente Netze“ und digitale Gesundheitsdienste“ befasst,
■ Cloud-Angebote für Geschäftskunden.

Vor allem mit sicheren Plattformen und Security will das Unternehmen sich nach vorne entwickeln. Dieser Umbau soll schnellstmöglich vonstatten gehen.
Dieses andauernde Reorganisations-Wirrwarr bekamen nicht nur die Kunden zu spüren, die sich teilweise von T-Systems zurückzogen. Auch die Beschäftigten hatten darunter zu leiden. 2014 kündigte T-Sys­tems an, 4900 Stellen und damit jeden fünften Arbeitsplatz zu streichen – das „Transformationsprogramm T-Systems 2015+“. Mit einem von der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat initiierten 9-Punkte-Programm und einer Rahmenvereinbarung zwischen Gesamtbetriebsrat und Arbeitgeber wollten die Arbeitnehmervertreter von IG Metall und Verdi in beiden Gremien 2014 erreichen, dass die Umstrukturierung sozialverträglich und ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgt. „Wichtig war uns von Anfang an, die Muttergesellschaft – die Deutsche Telekom AG (DTAG) – sowie den Bund als Anteilseigner mit in die Verantwortung zu nehmen“, sagt Christiane Niemann, Mitglied im Aufsichtsrat von T-Systems und Unternehmensbeauftragte der IG Metall. „Deshalb ist ein personeller Kapazitätsausgleich bei der DTAG und sind Stellenangebote durch den Bund enorm wichtig, was einen sozialverträglichen Personalum- und abbau bei T-Systems unterstützt. Auch wenn bereits viele Anstrengungen passiert sind, müssen noch mehr Ressourcen bereitgestellt werden, um die vom Stellenabbau betroffenen Beschäftigten für neue attraktive Positionen zu qualifizieren und das Unternehmen zukunftsweisend weiterzuentwickeln.“
Sorge bereiten der IG Metall und der Gewerkschaft Verdi, dass T-Systems auf der einen Seite zunehmend Fachkräfte auf dem Markt für die neuen Tätigkeitsbereiche anwirbt und sich auf der anderen Seite zu wenig um die Beschäftigten in den traditionellen IT-Bereichen kümmert. „Es fehlt an Transparenz, um in jedem Fall beurteilen zu können, ob in einzelnen Bereichen wirklich externe Fachkräfte rekrutiert werden müssen oder ob nicht langjährig Beschäftigte weiter qualifiziert werden könnten“, kritisiert die Metallerin. „Die Kolleginnen und Kollegen beklagen die geringe Wertschätzung, die ihnen das Unternehmen entgegenbringt. Das demotiviert. Viele von ihnen fühlen sich nicht mitgenommen. Das geht zulasten einer Innovationskultur, die ohne Beteiligung der Beschäftigten nicht funktionieren wird.“

IG Metall: Empowerment und Beteiligung
Die großen ITK-Unternehmen, dafür gibt es viele Anzeichen, werden noch einen weiten Weg vor sich haben, bis sie sich konsolidiert haben. Die Umbrüche in der Branche verunsichern aber nicht nur die Beschäftigten dort, sondern auch die in den kleineren und mittelständischen Betrieben bis hin zu den Start-ups. „Im wachsenden deutschen IT-Markt sind klare Perspektiven und Verlässlichkeit nötig“, sagt Christiane Benner, zweite Vorsitzende der IG Metall.
In dieser Situation hängt vieles entscheidend davon ab, wie die Beschäftigten diese Umbrüche innerhalb der ITK-Branche bewältigen. Werden sie kalt beiseite gestellt und nur noch kurzfristig angeheuert oder nutzen die Unternehmen ihr Potenzial nachhaltig, sich neuen Anforderungen zu stellen und kreativ innovative Lösungen voranzubringen? Die Instrumente, um sie zu qualifizieren, an den Veränderungsprozessen intensiv zu beteiligen und um Beschäftigung zu sichern, sind in den oben aufgeführten IT-Unternehmen vorhanden. An den entsprechenden Vereinbarungen haben Betriebsräte und IG Metall entscheidenden Anteil.
Die IG Metall stellt ihnen überdies ein
ganzes Bündel weiterer Unterstützungs­angebote zur Seite: Unter anderem können sich Betiebsräte und innerbetriebliche Experten – insbesondere Vertrauensleute – im Rahmen des Projekts „Arbeit & Innovation: Kompetenzen stärken – Zukunft gestalten“, das vom Europäischen Sozialfonds gefördert wird, qualifizieren und beraten lassen, um betriebliche Projekte anzuregen und umzusetzen mit Blick da­rauf, die digitale Arbeitswelt zu gestalten (weitere Informationen: FB Betriebspolitik, Ressort Vertrauensleute und Betriebs­politik, beim Vorstand der IG Metall, E-Mail: arbeit-innovation@igmetall.de).
Woran es jedoch in der Branche akut mangelt, ist der Wille in den Chefetagen, dieses Potenzial zu heben, weiterzuentwickeln und damit ein nachhaltiges Fundament für die Zukunft zu legen. Sie setzen lieber auf Durchwurschteln im großen Experimentierfeld – koste, was es wolle. Auf einige hundert Beschäftigte mehr oder kommt es ihnen im globalen Wettbewerb nicht mehr an. Das ist zynisch und inhuman – da hilft nur der Druck von unten.

Bilder