Willkommen bei der IG Metall

IG Metall: die Gewerkschaft in der ITK
Die Informationstechnologie- und Telekommunikationsbranche (ITK) gehört zu den größten Arbeitgebern in Deutschland. Seit mehr als 40 Jahren gestaltet die IG Metall mit den Beschäftigten aktiv die Arbeitsbedingungen in der Branche mit. In nahezu allen ITK-Unternehmen engagieren sich unsere Mitglieder für sichere Arbeitsplätze, Gute Arbeit und gerechte Einkommen. In großen und in kleinen Betrieben stehen wir den Beschäftigten kompetent zur Seite, beraten und informieren sie. Unsere Tarifverträge und Entgeltanalysen wirken weit in die Branche.

Arbeit & Beruf - Arbeitnehmerrechte

IT-Genossenschaften: Pioniere zukünftiger Arbeitsformen?

30.09.2016 | Selbstständig und doch gemeinsam arbeiten – für viele ITKler ist das ein Wunschtraum. IT-Genossenschaften ermöglichen ihren Mitgliedern diesen Spagat. Diese Organisationsform findet immer mehr Anhänger in der ITK-Branche – aus unterschiedlichen Gründen. Die IG Metall beobachtet und unterstützt diesen Trend.

Datev mit rund 40000 Mitgliedern – vorwiegend Steuerberater und Wirtschaftsprüfer – und die Domain-Verwaltungs- und Vertriebsgesellschaft Denic sind mit die ältesten und wohl auch bekanntesten Genossenschaften im IT-Sektor. 2015 gab es in Deutschland knapp 8000 Genossenschaften – die meisten davon traditionell im Wohnungsbau und Bankenwesen – mit insgesamt 20 Millionen Mitgliedern.

Vielfältige Zwecke
„Aktuell schließen sich viele IT-Freelancer zu Genossenschaften zusammen, um dadurch die Risiken einer Selbstständigkeit oder die Abhängigkeit von einem Auftraggeber zu minimieren“, sagt Dr. Burghard Flieger, Vorstand und wissenschaftlicher Leiter der in Leipzig ansässigen innova eG. Seine Genossenschaft unterstützt gründungswillige Teams beim Aufbau von Selbsthilfegenossenschaften. „Aber es gibt inzwischen eine Vielzahl von IT-Genossenschaften mit sehr unterschiedlichen Zwecken. Sie reichen von besonderen Nutzen für die jeweiligen Mitglieder über Möglichkeiten und Experimente mit Partizipation bis hin zur Bewältigung komplexer IT-Aufgaben durch Kooperation.“
Als genossenschaftlich organisiertes Kundeninteressensicherungsmodell versteht sich etwa die Hochschul-Informations-System eG (HIS) aus Hannover. Hier haben sich Hochschulen zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen, um ihre IT und unter anderem Verwaltungs- und Abrechnungsprogramme besser und sicherer handhaben zu können.
Die IT-Genossenschaft Jariva steht als Beispiel für einen Verbund von Freiberuflern. Sie ist vor allem Vermittlungsagentur für IT-Spezialisten. Die Genossenschaft verdient an Vermittlungen in IT-Projekte und bekommt von den vermittelten IT-Experten Provision. Ihre Mitglieder profitieren auch davon, nicht selbst akquirieren zu müssen und – etwa bei Krankheit – auf ein Netzwerk zurückgreifen zu können, welches einen vertreten kann und in dem sie sich untereinander austauschen können.
Manche Softwarehäuser sind inzwischen ebenfalls mit ihren Unternehmen in einer Genossenschaft organisiert. Die meisten haben sich zwar auf bestimmte Branchen oder Themen spezialisiert, können aber über die Kooperation in einer Genossenschaft ein umfangreiches Leistungsportfolio anbieten und selbst komplexe Aufträge wahrnehmen.
Ein Beispiel ist die TowerByte eG in Jena. Hier haben sich 21 eigenständige Unternehmen mit verschiedenen Ausrichtungen und mehr als 300 Experten zusammengeschlossen. Alle sitzen in einem Gebäude, teilen sich Ressourcen, Kommunikationstechnologie und Räumlichkeiten. Sie entwickeln und unterstützen gemeinsam Spin-Offs, helfen sich gegenseitig bei der Entwicklung und Vermarktung von Lösungen und Produkten sowie beim Wissenstransfer.
In der jetzigen Umbruchphase in der ITK-Branche sind IT-Genossenschaften eine zunehmend attraktive Alternative für ITKler – bei oft angenehmen, weil selbstbestimmten Arbeitsbedingungen. „Mit Hilfe von neuen Finanzierungsmodellen wie Crowdfunding und -financing können sich IT-Genossenschaften sogar neue Ressourcen und neue Marktlücken erschließen und sich damit zu einem wichtigen Stabilitätsfaktor in der ITK-Branche entwickeln“, berichtet Flieger.

Demokratie und Mitsprache
Die IG Metall steht den vielfältigen genossenschaftlichen Organisationsformen aufgeschlossen gegenüber. Basisdemokratische Entscheidungsstrukturen, Mitgliederorientierung und die Beteiligung der Mitglieder sind wesentliche Eigenschaften, die die Gemeinsamkeiten von gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Zielsetzungen deutlich machen. „Schon aufgrund der demokratischen Struktur der Rechtsform ergeben sich für Gewerkschafter eine Reihe von Anknüpfungspunkten“, sagt Walter Vogt, langjäh-riger Genossenschaftsexperte aus dem Funktionsbereich Betriebspolitik beim Vorstand der IG Metall. Sie liegen für ihn darin, demokratische Prinzipien sowie die Idee der Selbsthilfe, Mitsprache und Mitgestaltung in Unternehmen zu verankern – und dabei gleichzeitig Beschäftigung zu sichern. Gerade über Ausgründungen im Modell der IT-Genossenschaften konnten in der Vergangenheit in vielen Fällen nicht nur Arbeitsplätze erhalten, sondern auch das Geschäftsmodell diversifiziert und damit auf eine breitere und zukunftsfähige Basis gestellt werden.
3­Weitere Informationen: siehe Veranstaltungshinweis Seite 15 sowie im Internet: www.genossenschaftsgedanke.de

Kriterien genossenschaftlichen Handelns

  • Förderprinzip – die Förderung ihrer Mitglieder ist oberstes Ziel von Genossenschaften und nicht der Shareholder Value.
  • Identitätsprinzip – danach sind die Mitglieder, die sich am Markt ansonsten als Konkurrenten gegenüberstehen, in der Genossenschaft gleichzeitig Kunden, Miteigentümer und Entscheidungsträger.
  • Demokratie- oder Partizipationsprinzip – ob die Genossenschaft fünf oder fünfhundert Mitglieder hat: Bei Entscheidungen in der Generalversammlung hat jedes Mitglied eine Stimme, unabhängig seines eingebrachten Anteils.
  • Solidaritätsprinzip/Selbsthilfe – Genossenschaften kommen – gerade in der Gründungsphase – nicht ohne ehrenamtliches Engagement aus. Die einzelnen Mitglieder gehen für ihre Ziele oftmals in Vorleistung.

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