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Betrieb & Praxis - HP/HPE / Entgelt & Tarif - Tarif

Hewlett Packard: Teilen und herrschen?

20.03.2017 | Man kann gar nicht so schnell hinsehen, wie sich Hewlett Packard zerlegt. Es begann damit, dass der Konzern im November 2015 das Geschäft mit Druckern und Computern (HP Inc.) von dem Bereich Unternehmensdienstleistungen (Hewlett Packard Enterprise – HPE) abtrennte. Seither ist HPE einem nicht enden wollenden Spaltungsprozess ausgesetzt. Klare Perspektiven, die die Beschäftigten dringend benötigen, fehlen jedenfalls.

Hewlett Packard Enterprise

HPE steht unter Dauerbeschuss: Zum 1. August 2016 lagerte das Unternehmen rund 1300 Stellen an die IT-Dienstleister Pro­servia und Datagroup aus. Dann erfolgte zum 1. Januar 2017 die Abspaltung der Outsourcing-Sparte (HP Enterprise Services, kurz ES), welche zum 1. April dieses Jahres mit der Computer Sciences Corp. (CSC) verschmolzen wird. Und weiter geht’s mit einem „Spin-off-Merger“, einer Abspaltung des Software-Bereichs von HPE und anschließender Verschmelzung mit dem britischen Software-Hersteller Micro Focus zum 1. September 2017. Noch in diesem Jahr dürfte sich zeigen, ob die Summe der HP-Einzelteile erfolgreicher sein wird als die noch vor wenigen Jahren gehypte „OneHP“-Strategie und ob HP nicht doch nur Übernahmekandidaten produziert.

Verbleibende HPE-Bereiche

„Angeblich sollen die Abspaltungen das Profil von HPE schärfen“, sagt Annette Maier, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei HPE. „HPE konzentriert sich auf die Cloud mit entsprechender Hardware und damit verknüpften Dienstleistungen. HPE kauft auch wieder ein – erst die Hochleistungscomputerschmiede SGI (Silicon Graphics) und zuletzt die Softwarefirma SimpliVity. Zugleich aber geht die Verlagerung von Stellen in vorgeblich billigere Länder weiter.“ Zwar zeige sich HPE-Chefin Meg Whitman davon überzeugt, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben, um nach der Abwicklung der ES-CSC- und Micro Focus-Transaktionen flinker zu werden und wieder zu Wachstum zurückzukehren. „Die Gefahr ist jedoch groß, dass HPE aufgrund der zuletzt schwachen Geschäftsergebnisse weiterhin schrumpft und noch mehr Stellen abbaut“, so die Betriebsrätin.

Proservia
Eine rosige Zukunft steht auch den abgespaltenen Bereichen von HPE nicht gerade bevor. Rund 800 Beschäftigte umfasst die durch Outsourcing von 734 HPE-Kolleginnen und -Kollegen und Verschmelzung eines kleineren IT-Dienstleistungsbereichs der Manpower Group in Dresden entstandene IT-Beratungsfirma Proservia. Das Unternehmen muss sich erst noch finden – organisatorisch und auch mit Blick auf neue Geschäftsfelder.

„Proservia hat viele Kleinstbetriebe in Deutschland, die zunächst in sechs Regionalbetrieben zusammengefasst wurden“, berichtet Volker Müller, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats bei Proservia. „Für uns bedeutete das zunächst einmal, wirksame Mitbestimmungsstrukturen aufzubauen. Ein Problem von vielen ist schon jetzt, dass den meisten Kolleginnen und Kollegen ein Umzug bevorsteht, weil sie die bisherigen HPE-Lokationen verlassen müssen.“

Auch die Geschäftsleitung müsse sich erst einmal einrichten, so Müller, um beispielsweise Pannen wie bei der Berechnung der Sonderzahlung zu Weihnachten künftig zu verhindern. „Über allem steht jedoch die Frage: Was passiert, wenn HPE sein Auftragsvolumen Schritt für Schritt und – wie vorgesehen – innerhalb der kommenden fünf Jahre auf die Hälfte reduzieren wird? Die Motivation der Geschäftsleitung und die Hoffnungen der Belegschaft darauf, neue Kunden zu akquirieren, sind groß. Aber noch weiß niemand, ob dies auch gelingen wird“, gibt der Gesamtbetriebsratsvorsitzende zu bedenken.

Datagroup Enterprise Services GmbH
Ähnliche Fragen stellen sich auch beim IT-Dienstleister Datagroup Enterprise Services GmbH. In diese neue Firma waren im Herbst letzten Jahres 306 Beschäftigte von HPE outgesourct worden. „Auch bei uns gibt es gespannte Neugier, ob sich das Unternehmen am Markt halten wird, wenn HPE sein garantiertes Auftragsvolumen nach und nach zurückfährt“, berichtet Redelf Schomaker, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Datagroup ES GmbH. Und auch hier bereiten sich die Arbeitnehmervertreterinnen und -vertreter auf eine un­sichere Zukunft vor. „Wir haben bereits an allen sechs Standorten Betriebsratswahlen stattfinden lassen. Allerdings herrscht bei der Datagroup ES GmbH ein Klima, in dem Betriebsräte nicht gewünscht sind.“ Die tägliche Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung der neuen GmbH laufe zwar bisher gut, gibt Schomaker zu verstehen. „Aber ein Geschäftsführer lässt deutlich seine Vorbehalte gegen Betriebsräte erkennen.“

ES/CSC (EntServ Deutschland GmbH)
Bei ES/CSC – der Bereich firmiert jetzt als EntServ Deutschland GmbH – ist ebenfalls noch Vieles im Umbruch. Der rund 2700 Beschäftigte umfassende, von HPE outgesourcte Enterprise-Service-Beratungszweig soll nun zum 1. April 2017 mit CSC verschmolzen werden. Rund 4000 Beschäftigte werden in dem neuen Unternehmen, das künftig DXC.Technology heißen soll, beschäftigt sein. Aktuell ist auch hier der Gesamtbetriebsrat dabei, an allen Standorten Interessenvertretungsstrukturen aufzubauen beziehungsweise zu stabilisieren und Betriebsratswahlen stattfinden zu lassen.

„Das Unternehmen wird sich erst nach und nach richtig strukturieren. Es wird voraussichtlich eine Führungsstruktur in Clustern mit flacheren Entscheidungsebenen geben. Dann werden Synergien geprüft, denn DXC.Technology soll schneller und agiler Innovationen vorantreiben als das bei HPE möglich war. Womöglich wird es dabei zu Stellenabbau kommen“, sagt Claus Henrici, EntServ-Gesambetriebsratsvorsitzender. „Wir Betriebsräte rechnen mit vielen Veränderungen. Die Zukunft des neuen Unternehmens wird vor allem davon abhängen, ob die Kunden und der Markt diesen Wandel mitmachen.“

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