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Lego-Scrum-Seminar des Projekts WING: Agile Methoden begreifen

10.12.2015 | Neue Arbeitsformen wie agiles Arbeiten sind keine Selbstläufer. Sie können Gute Arbeit unterstützen, sofern die Rahmenbedingungen stimmen. Diese Erfahrung machten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Lego-Scrum-Workshops des Projekts WING (www.wing-projekt.de) unter der Leitung des Instituts für Sozialwissenschaftliche
Forschung e.V. München (ISF) in Zusammenarbeit mit der IG Metall.

Lego Scrum

Auf großen Tischen stehen blaue Eimer mit bunten Legobausteinen, Etikett 4+. In den nächsten drei Stunden gilt es, die Vision einer bunten Lego-Stadt zu verwirklichen. Getagt wird nicht in einer Kindertagesstätte, sondern in der Robert Bosch GmbH in Abstatt nahe Heilbronn. Die Teilnehmer des Workshops sind auch schon deutlich dem Lego-Alter entwachsen: Entwicklerinnen und Entwickler, Betriebsräte, Wissenschaftler des ISF München, der Friedrich-Alexander Universität Nürnberg-Erlangen (FAU) und Vertreter der IG Metall dürfen mal wieder mit Klötzchen spielen.

Sie werden unter Anleitung der Coaches von Andrena Objects (Unternehmensberatung zu Agile Software Engineering) lernen, wie agiles Arbeiten funktioniert. Scrum ist eine Methode, die in der Softwareentwicklung und beim Engineering immer mehr Einzug hält. Drei Teams bauen die Vision einer Stadt mit Scrum. Sie lernen diese Methode spielerisch kennen, ganz ohne Programmierkenntnisse.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer finden sich in die neuen Rollen Product-Owner, Scrum-Master und Entwicklungsteam ein. Zusammen bilden sie ein Scrum-Team. Sie erfahren, wie man in Sprints Teilstücke der Stadt realisiert. Einfamilienhaus, Hochhaus, Carport, Autos, Kirche, Kiosk, ein Park – alles was eine Stadt ausmacht, soll in guter Qualität und schönem Design realisiert sein. Der Product-Owner vertritt den Auftraggeber und gibt an, was vorerst gebaut werden soll. Nun ist das Entwicklungsteam an der Reihe. Seine Mitglieder dürfen schätzen, welche Teile (Product-increments) sie als Team in einem Sprint von zwanzig Minuten realisieren können. Bei Scrum definiert tatsächlich das Entwicklungsteam seine Arbeitsmenge in einem Sprint selbst.

In der Softwarepraxis dauert der Sprint in der Regel zwei bis vier Wochen. Danach muss ein fertiges Produktteil entstanden sein.

Ein Entwicklungsteam nimmt sich ein Einfamilienhaus vor. Die Zeit läuft: Legosteine zusammen suchen, sich über die Größe des Hauses verständigen. Wer macht was? Wie soll das Dach gebaut werden? Alles ist im Team in kurzer Zeit zu klären und umzusetzen. Am Ende wird es hektisch, der letzte Stein wackelt noch als der Product-Owner den Sprint beendet.

Kritische Abnahme des Product-Owners
Jetzt kommen die Abnahme, das Review-Meeting. Stimmt die Qualität, entspricht das Haus den Anforderungen des Auftraggebers? Das Team ist enttäuscht: Der Product-Owner ist nicht zufrieden. Die Team-Mitglieder reflektieren, wie sie sich das nächste Mal besser organisieren. Sie hatten zu optimistisch geschätzt, sich zu viel vorgenommen.

Es bleibt aber nicht beim Spiel. In der Diskussion stellen die Teilnehmer schnell den Transfer zur realen Arbeitssituation her. Wie sieht es in Wirklichkeit mit der Teamarbeit aus? Stimmen die Rahmenbedingungen, sind die Vorgaben realistisch, überdrehen da auch die Teams, entsteht Konkurrenz, wie ist es mit der Transparenz der Arbeit des Einzelnen?

Die Münchner Forscher vom ISF greifen die vielen Fragen in der Diskussion auf und berichten von ihren Erfahrungen bei der Umsetzung agilen Arbeitens. Deutlich wird der Wandel des Expertenmodus‘ für den Entwickler. Nicht mehr der individuelle Experte steht im Vordergrund, sondern das kollektive Team. Allen Beteiligten wird klar: Agiles Arbeiten mit Scrum kann produktiv sein und gleichzeitig Gute Arbeit bedeuten, sofern die Rahmenbedingungen stimmen.

„Ein neues Verständnis von Führung und Teamentwicklung ist angesagt“, sagt Karl-Heinz Hageni, Projektleiter digit-DL beim IG Metall-Vorstand. „Es muss entsprechende HR-Instrumente geben und der Betriebsrat die Möglichkeit haben, die Rahmenbedingungen für gutes Arbeiten mit agileren Methoden mitzugestalten. Es geht darum, Gute Arbeit in der digitalen Welt
zu verankern.“

Projekt digit-DL: zweite Transferkonferenz

Die neue strategische Rolle der ITK steht im Mittelpunkt der Transferkonferenz des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten, vom Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung München (ISF) geleiteten und von der IG Metall unterstützten Projekts digit-DL. Die Konferenz findet am 28. Januar 2016 in Frankfurt statt. Es geht um das Verhältnis von Softwareunternehmen zu anwendungsorientierten Industriebetrieben, die Perspektiven von IT-Dienstleistern, neue (agile) Arbeitsformen in der digitalen Welt, Crowdworking und moderne Innovationsstrategien.

  • Weitere Informationen: Karl-Heinz.Hageni@igmetall.de

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