Arbeit & Beruf

Arbeit & Beruf - Gesundheit & Ergonomie

»Mausarm« – ein vermeidbares Übel

31.10.2004 | Der »Mausarm«, unter Medizinern als RSI (Repetitive Strain Injury: Verletzung durch wiederholte Beanspruchung) bekannt, wird auch unter Beschäftigten der IT-Industrie zum Problem. Heftige Schmerzen in Armen und Fingern sind das Ergebnis sich ständig wiederholender Bewegungen mit geringem Kraftaufwand. So weit muss es nicht kommen.

RSI-Studie
Eine Studie der Landesanstalt für Arbeitsschutz des Landes Nordrhein-Westfalen belegt bei 62 Prozent der Bildschirmarbeitskräfte Verspannungen im Nacken-/Schulterbereich und bei fast jeder/jedem Vierten quälende Muskelschmerzen in Armen und Fingern – typische RSI-Symptome. Nur ein Drittel der befragten Bildschirm-Beschäftigten waren ohne Beschwerden.
Verschiedene Symptome
RSI besteht aus verschiedenen Symptomen und Krankheiten. Schmerzen treten nicht nur direkt an den Fingern auf, sondern auch in den Muskeln und Sehnen, die sie bewegen, und in unterschiedlicher Intensität an wechselnden Körperstellen. Ausgelöst werden sie durch kurze, schnelle, vielfach wiederholte Bewegungen beim Bedienen von Maus oder Tastatur. Diese verursachen kleinste Muskelfaserrisse und Verletzungen. Über längere Zeiträume – man spricht von etwa fünf Jahren – können diese Schäden irreparabel werden und schließlich auch einfachste Bewegungen (zum Beispiel beim morgendlichen Anziehen) zur Qual machen.
Wer ist betroffen?
Besonders betroffen sind Schnellschreiber/innen, die große Mengen an Text erfassen, oder männliche und weibliche Programmierer, Ingenieure, Sachbearbeiter, Informatiker, Computergrafiker usw. Letztere tippen häufig nur mit wenigen Fingern – die dadurch um so stärker belastet werden. Auch die Kombination der gleichförmigen Bewegungen mit Stress und komplizierter Denkarbeit erhöht das RSI-Risiko.
Vorbeugen ist besser
Das Arbeitsschutzgesetz fordert präventive Aktivitäten, um arbeitsbedingte Krankheiten zu verhüten. RSI kann durch Mischarbeitsplätze vorgebeugt werden. Denn wer die Bildschirmarbeit durch andere Aufgaben unterbricht, schafft Regenerierungsphasen. Wer nur am Computer arbeitet, sollte zumindest regelmäßige Pausen einlegen. Faustregel: pro Stunde zehn Minuten Pause.

Aber auch das Arbeitsumfeld spielt eine wichtige Rolle. Ein Drittel der Bildschirmarbeitsplätze sind mangelhaft, ergab eine Umfrage des Deutschen Büromöbelforums. Die Bildschirmarbeitsverordnung legt für PC-Arbeitsplätze Mindeststandards bei Arbeitsmitteln (Bildschirm, Tastatur, Stuhl, Arbeitstisch, Vorlagenhalter, Fußstütze, Software) und Arbeitsumgebung (Klima, Beleuchtung, Strahlung, Lärm, Bewegungsraum) fest. Sie müssen regelmäßig überprüft und eingefordert werden.

Einige Dinge kann jeder sofort selbst ändern, zum Beispiel:
- Regelmäßige Pausen einlegen
- Verschiedene Eingabemöglichkeiten (Maus, Tastenkombinationen, Trackball, Stift, ArtPad, Spracheingabe) nutzen
- Hände bei der Eingabe abstützen
- Wenn RSI-typische Beschwerden auftreten, frühzeitig Arbeitsbedingungen und Symptome detailliert dokumentieren, um die Berufsbedingtheit zu belegen.
Berufskrankheit – ja oder nein?
In Australien und den USA gilt RSI mittlerweile als Berufskrankheit Nummer eins. Die Niederlande und Dänemark haben Programme initiiert, um Bildschirmbeschäftigte wirkungsvoll vor RSI zu schützen. In Deutschland ist es allerdings selbst unter Ärzten und Orthopäden noch weitgehend unbekannt und bisher als Berufskrankheit nicht anerkannt.

Bilder