Arbeit & Beruf

Arbeitnehmerrechte

Arbeit & Beruf - Arbeitnehmerrechte

Der einzelne ist nicht ohnmächtig

06.01.2014 | Interview mit Thomas Schütt, Betriebsrat und Mitglied im Wirtschaftsausschuss der IBM Deutschland Global Business Solutions (GBS) GmbH, Walldorf

Thomas Schütt

Wofür engagiert sich der Betriebsrat bei IBM in Deutschland?
Thomas Schütt: Die Ertragskraft des Konzerns ist seit Jahren unverändert gut. Aber die Art und Weise, wie er sich in letzter Zeit durchgreifend umstrukturiert, fordert uns Betriebsräte heraus: In der Vergangenheit war die IBM ein Verbund von Landesgesellschaften, die jede für sich ein eigenes Unternehmen darstellten und weitgehend autark handelten. Heute ist der Konzern auf dem Weg zu einem global tätigen, einheitlichen, integrierten Unternehmen. Unsere Aufgabe als Betriebsrat ist es vor allem, genau darauf zu achten, was sich dort entwickelt und mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen. Diese können wir dann mit unserer Geschäftsführung beraten und bearbeiten, um zu erwartende negative Auswirkungen für die hiesigen Beschäftigten möglichst gering zu halten.
Kann denn ein Betriebsrat globale Unternehmensentscheidungen beeinflussen?
Es gibt verschiedene Ebenen, auf denen er handeln kann. Neben meiner Tätigkeit im örtlichen Umfeld kümmere ich mich auch intensiv um die Kommunikation mit anderen Betriebsratsgremien im Konzern und dem Wirtschaftsausschuss unseres Unternehmens. Dadurch erhalten wir viele wichtige Informationen noch bevor unternehmerische Entscheidungen – auch internationale Planungen – umgesetzt werden. Wir haben heute ein relativ offenes und kooperatives Arbeitsverhältnis zu unserer Geschäftsführung. Das war nicht immer so. Daneben beziehen wir wichtige Daten und Fakten über die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat und die Vertreter im Eurobetriebsrat. Auch deshalb können wir das Management sinnvoll beraten. Bei etlichen positiven Managemententscheidungen steht ja nicht drauf, dass der Betriebsrat daran mitgewirkt hat. Zudem ist die IG Metall für uns ein starker Partner im Unternehmen. Nicht nur, weil sie im Aufsichtsrat vertreten ist und dort mit entscheiden kann, sondern auch, wenn es darum geht, bestimmte Branchentrends oder Mindeststandards der Entlohnung und allgemeinen Arbeitsbedingungen als strategische Hintergrundinformation einzubringen.
Was reizt Dich persönlich an der Betriebsratsarbeit?
Es macht mir Spaß, an der einen oder anderen Ecke etwas für die Kollegen/-innen bewirken zu können. Wir haben es zwar mit einem globalen Managementsystem zu tun, aber die Entscheidungen, die die Standorte hierzulande betreffen, müssen mit den zahlreichen deutschen Schutzbestimmungen vereinbar sein. Mir ist ebenfalls wichtig, mit den Kolleginnen und Kollegen gut vernetzt zu sein. Eine gute Kommunikation im Unternehmen muss in beide Richtungen gehen: hin zu den Beschäftigten und umgekehrt von ihnen wieder zurück zum Betriebsrat und dem Management. Der Einzelne steht dem globalen Konzern zum Glück nicht mehr ohnmächtig gegenüber. Oft braucht er allerdings Rat, Hilfe und Unterstützung, um seine berechtigten Interessen gegen das sehr finanzkräftige und straff organisierte Unternehmen durchzusetzen. Auch dafür sind wir Betriebsräte da.

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