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Mobiles Arbeiten in der ITK-Branche: (K)Ein Lob der Freiheit

15.10.2013 | Für die meisten ITK-Beschäftigten ist mobiles Arbeiten von zuhause, vom Kunden oder von unterwegs aus heute bereits normal. Mobile Technologien wie Laptops, Tablet-PCs, Smartphones sowie entsprechende Server- und Cloudtechnologien ermöglichen es, die Aufgaben ortsungebunden und flexibel zu erledigen. Das klingt nach mehr Freiheit, hat aber häufig einen hohen Preis. Denn die zeitliche Flexibilität und räumliche Unabhängigkeit stellen neue Anforderungen an die Beschäftigten. Oft müssen sie – im Gegenzug – ständig erreichbar sein. Überdies kann das Arbeiten in einer virtuellen Welt enorm belastend sein. Bisher gibt es nur wenige gute Beispiele dafür, wie mobiles Arbeiten gestaltet und wie die Beschäftigten vor den neuen Risiken, die mobiles Arbeiten mit sich bringt, geschützt werden können. Die IG Metall möchte, dass diese Arbeitsform in den Unternehmen vernünftig geregelt wird.

Mann am Laptop auf Wiese

Mobiles Arbeiten ist in der ITK-Industrie heute gang und gäbe. Die meisten Beschäftigten möchten es gar nicht mehr missen. Notebooks, Tablet-Computer und Smartphones erlauben es ihnen, zeit- und ortsungebunden für das Unternehmen tätig zu sein. »Die Kolleginnen und Kollegen, gleich ob ›Digi-Kids‹ oder ältere ITler, wollen flexibler und öfter mal von zu Hause aus arbeiten zu können«, sagt Gisela Michels, IBM-Betriebsrätin aus Düsseldorf. Und viele fühlten sich entlastet, wenn sie aufgrund mobiler Technologien weniger reisen und nicht ständig unterwegs sein müssten. Aber die gewonnene Freiheit – das zeigt die Praxis – hat häufig ihren Preis.

Trend zum virtuellen und mobilen Arbeiten
Heute greift bereits jeder dritte Beschäftigte (32 Prozent) von unterwegs oder zuhause auf die IT des Arbeitgebers zurück, so das Ergebnis einer kürzlich veröffentlichten Unternehmensumfrage des Branchenverbands Bitkom. Die meisten checken und beantworten abseits ihres Büros ihre E-Mails oder bearbeiten ihre dienstlichen Kalender. Nach Angaben der Computerwoche bieten heute bereits mehr als ein Viertel aller Unternehmen ihren Beschäftigten mobile Arbeitsplätze an. Bis 2020 werden es 90 Prozent sein.

»Im Vertrieb oder Consulting sind die Kolleginnen und Kollegen teilweise wochenlang bei den Kunden unterwegs. Selbst ihre Abrechnungen machen sie fernab des Unternehmens«, sagt Betriebsrat Rainer Burckhardt von der Software AG in Darmstadt. »Aber auch in anderen Bereichen nimmt mobiles Arbeiten ständig zu. Die meisten, insbesondere die jüngeren Kolleginnen und Kollegen, die mit Laptop und Smartphone aufgewachsen sind, empfinden es als hohen Grad an Freiheit, E-Mails zu ungewöhnlichen Zeiten abfragen oder Aufgaben auch von zu Hause aus erledigen zu können. Einige sehen aber auch die Risiken, die diese Freiheiten beinhalten. Manche von ihnen wünschen sich sogar wieder die Stechuhr!«

Bei SAP ist die Situation ähnlich. »Mittlerweile haben fast alle SAP-Beschäftigten einen Firmen-Laptop und viele einen Tablet-Computer oder ein iPhone. In dieser Hinsicht war SAP schon immer großzügig«, berichtet SAP-Betriebsrat Eberhard Schick. »Damit arbeiten viele rund um die Uhr. Aber das stört die wenigsten.«

Neuer Rationalisierungsschub
Der Markt mit Smartphones und Tablets boomt. Aktuell verzeichnet er zweistellige Wachstumsraten. Auch das Geschäft mit mobilen Datendiensten läuft zurzeit blendend. Dies aber hat weniger mit den Mobilitätsbedürfnissen der Beschäftigten zu tun als vielmehr damit, dass die mobilen Endgeräte und neuen Telekommunikations- und Servertechnologien den Unternehmen neue und effizientere Formen der Arbeitsorganisation ermöglichen. Vor allem helfen sie, Arbeitsabläufe und Geschäftsprozesse zu optimieren.

Hintergrund für den boomenden Einsatz mobiler Technologien ist auch, dass es technisch immer leichter wird, reale in virtuelle Arbeitsprozesse umzuwandeln und diese zu virtuellen Betriebsumgebungen zu vernetzen. Auf dieser Basis können dann mehr Beschäftigte – als Einzelpersonen oder in Teams – mit Hilfe mobiler Endgeräte auf die Daten des Unternehmens zurückgreifen. Und zwar unabhängig von der Tageszeit sowie von jedem Punkt der Welt aus. Der große Vorteil für den Arbeitgeber: Der Betrieb läuft rund um die Uhr. Und je nach Bedarf können mehr oder weniger Beschäftigte zugeschaltet werden oder sich selbst einloggen.

Ein weiterer Vorteil für den Arbeitgeber: Er kann sich von der Organisation eines Arbeitsumfelds entlasten. Lediglich der Arbeitsablauf muss virtuell abgebildet werden. Den Rest sollen die Beschäftigten selbst organisieren. Auf sie wird dabei nicht nur die Arbeitsorganisation abgewälzt. Sie werden auch für das Ergebnis zunehmend verantwortlich gemacht – ganz nach dem Motto: »Arbeite wo und wann du willst, Hauptsache das Ergebnis stimmt!«

Faktische »Billig-Strategie«
Mobiles Arbeiten spart zudem Kosten. Für viele Unternehmen ist es häufig zeitsparender und damit kostengünstiger, Kunden über digitale Fernwartungssysteme und Business-Apps statt über lokale Präsenz zu betreuen. Es spart Reisekosten, wenn Beschäftigte ortsunabhängig in virtuellen Teams zusammenarbeiten und sich über mobile Netze, Internet-Konferenzen und Facebook & Co untereinander kurzschließen. Ohnehin sinken die Preise für Firmen-Laptops, Smartphones und Internet-Flatrates, mit denen Betriebe ihre mobil arbeitenden Beschäftigten ausstatten. Und nicht zuletzt müssen weniger stationäre Arbeitsplätze vorgehalten werden, wenn die Belegschaft verstärkt außerhalb des Unternehmens arbeitet. Dadurch lassen sich Miet-, Investitions- und Folgekosten für Reinigung und Energie deutlich reduzieren. Nicht selten können durch flexible Büro-Konzepte 10 bis 20 Prozent der genutzten Flächen eingespart werden. In einigen Unternehmen werden Beschäftigte deshalb bereits mit flexiblen und bewusst knapp kalkulierten Share Desk-Konzepten systematisch dazu gedrängt, ihre Aufgaben außerhalb des Betriebs zu erledigen.

So etwa führt HP in den verschiedensten Bereichen seit Jahren systematisch Belegungsstudien durch. Darüber erhält das Management Auskunft, wieviele Arbeitsplätze regelmäßig besetzt werden. »Diejenigen Beschäftigten, die nicht nachweisen können, dass sie ihren Büroarbeitsplatz ständig nutzen, werden dann einer ›home zone‹ zugeordnet, in der sie sich jeden Tag einen Schreibtisch suchen müssen. Wer früh genug kommt, kriegt den Fensterplatz«, berichtet Annette Maier, zweite stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei HP in Böblingen. Für die meisten sei das wenig attraktiv. Jedes Mal müsse der Arbeitsplatz neu eingerichtet werden. »Das ist mit Auf- und Abbauzeiten verbunden, die nicht von der Arbeitslast abgezogen werden. Und nicht immer passt die Ausstattung – beispielsweise die Docking-Station –mit dem eigenen Equipment zusammen. Oft ist auch die Schreibtischhöhe nicht richtig eingestellt. Und dann gibt es da noch Probleme mit der Hygiene – beim Telefon-Headset oder mit den Keimen an der Tastatur.«

Generell würden auch die Schreibtische immer kleiner, so Annette Maier. Großzügige Eck-Lösungen, die früher die Norm waren, gebe es kaum noch. »Das alles führt mit dazu, dass immer mehr Kolleginnen und Kollegen regelrecht aus den Büros flüchten. Und so kann das Unternehmen noch mehr Bürofläche einsparen. Ein Teufelskreis.«

Derartige »Billig-Strategien« stoßen allerdings zunehmend auf Kritik. So bemängeln wissenschaftliche Studien, dass gerade beim Desk Sharing feste Strukturen und Routinen häufig fehlen. Außerdem kann die geringe Verbundenheit der Beschäftigten mit der Arbeitsumgebung die Produktivität beeinträchtigen. Zudem stellen derartige Konzepte hohe Anforderungen an die Führungskräfte und die persönliche Arbeitsorganisation der Beschäftigten.

Flexibilitätsanforderung statt Gestaltungsoption
Auch wenn mobiles Arbeiten von vielen Kolleginnen und Kollegen sehr geschätzt wird: Es gibt unübersehbare Nachteile. Die Flexibilität, die diese Arbeitsform ermöglicht, wird oft damit bezahlt, dass der Arbeitgeber von seinen Mitarbeitern verlangt, ständig erreichbar zu sein. Immer mehr Beschäftigte sind heute »always on« (siehe auch IT-Magazin 4/2010). Die klare Trennung von Arbeits- und Privatleben wird dadurch tendenziell aufgehoben. Selbst Reisezeiten – ob sie nun durch die Nutzung von Laptops, Smarthones & Co. geringer werden oder nicht, ist bisher nicht belegt – verdichten sich. Statt zu entspannen bearbeiten viele reisende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihre Aufträge oder E-Mails vom Zug oder Flughafen aus, zeigt eine Studie der TU München über die Kosten mobiler Arbeit.

Zahlreichen Arbeitswissenschaftlern und Betriebsräten wird daher mulmig, wenn sie diese Entwicklung beobachten. Sie stellen immer öfter fest, wie aus Flexibilitätsoptionen zunehmend Flexibilitätsanforderungen und aus in­dividueller Unabhängigkeit ständige Verfügbarkeit werden.

Schritt für Schritt verändern sich dadurch auch die traditionellen Arbeitsstrukturen. Darauf verweist die kürzlich von den Computerunternehmen Dell und Intel veröffentlichte umfassende Studie »Evolving Workforce«, die sich mit Chancen und Risiken des zunehmend flexiblen und mobilen Einsatzes von ITK-Technologien befasst (siehe Kasten). Dieser Wandel betrifft nicht nur die Verbindung zwischen Arbeitsprozess und Arbeitsplatz, sondern auch die Arbeitsverhältnisse.

Die Entwicklung begünstige einen Trend weg vom festen Angestelltenverhältnis hin zu flexiblen und projektbezogenen Beschäftigungsformen, betont die Studie. Das belegen inzwischen auch Zahlen und Daten aus dem deutschen ITK-Sektor. Danach sind Leiharbeit und Werkverträge hier deutlich angestiegen (siehe auch dazu: IT-Magazin 3/2012). Der Branchenverband Bitkom schätzt, dass aktuell rund 80000 IT-Spezialisten über Projektplattformen oder persönliche Netzwerke (wie Xing, LinkedIn usw.) in der Branche aktiv sind, um ihre Leistungen als Freelancer anzubieten. Das seien 20000 mehr als noch vor zehn Jahren. Am Ende – mutmaßt die Computerwoche – funktionieren Beschäftigte künftig nur noch »on demand«.

Steigende Gesundheitsbelastung
Selbst im Lager der Arbeitgeber mehren sich inzwischen kritische Stimmen, die vor den weitreichenden Folgen einer zunehmend mobilen und virtualisierten Arbeitswelt warnen. Bitkom-Präsident Dieter Kempf forderte von seinen Verbands-Mitglieder sogar jüngst, verantwortungsbewusst zu handeln und neben den technischen auch organisatorische und kulturelle Voraussetzungen zu schaffen, um sich auf die neue mobile Arbeitswelt einzustellen. Er mahnte, dass es gefährlich werden könnte, wenn Beschäftigte via Telefon, E-Mail und Social Web ständig im Stand-by-Modus »laufen«, immer ansprechbar sein müssten und ihre Erholungsphasen zu kurz kämen. Auch Telekom-Chef René Obermann ruft dazu auf, gelegentlich mal abzuschalten.

Mehr und mehr Betriebsräte sorgen sich ebenfalls vor allem um die Gesundheit mobil arbeitender Beschäftigter. »Die bei uns geltende Vertrauensarbeitszeit führt immer häufiger dazu, dass mobil arbeitende Kolleginnen und Kollegen sich selbst ausbeuten und ihre Arbeitszeit über den tariflich und sogar gesetzlich abgesteckten Rahmen hinaus entgrenzen«, sagt Gisela Michels. »Da hilft es, die Arbeitszeiten erst einmal selbst festzuhalten. Aber besser wäre eine verpflichtende Zeiterfassung, zumindest für manche Bereiche. Dadurch könnte man das wirkliche Ausmaß an entgrenzter Arbeit erfassen und eindämmen.«

Auch IBM-Betriebsrätin Monika Schäfer kritisiert: »Die Aufträge sollen immer schneller erledigt werden, die Beschäftigten stehen immer öfter auf Abruf bereit. Der psychische Druck ist enorm. Leider werden die psychischen Belastungen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung bis heute nicht umfassend analysiert. Deshalb haben wir den Arbeitgeber aufgefordert, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern klare Anweisungen zu geben, das Arbeitszeitgesetz zu beachten und das Handy nach Dienstschluss abzuschalten.«

Mobiles Arbeiten besser regulieren
Wirksame einschränkende betriebliche Regelungen zur Handy- und Internetnutzung bei mobilem Arbeiten und dem Tätigsein außerhalb der regelmäßigen Arbeitszeit gibt es bereits. So beispielsweise bei VW, Daimler und BMW. Aber diese haben noch Seltenheitswert, denn das Thema »Erreichbarkeit« ist heute in fast zwei Dritteln der Unternehmen noch nicht geregelt.

In diesem Punkt greifen auch die in zahlreichen ITK-Unternehmen bereits existierenden Regelungen zur Telearbeit kaum. Sie regeln zumeist, wie ein Computerarbeitsplatz im Home Office ausgestattet werden muss, welche Zuschüsse die Beschäftigten von ihrem Arbeitgeber erhalten und in welcher Weise diese versteuert werden müssen. Aber auch diese Regelungen sind im Zeitalter von Firmen-Smartphones, -Laptops und Internet-Flatrates vielfach überholt.

»Wir müssen uns heute um neue Aspekte kümmern«, sagt Rainer Burkhardt. »Wie können wir die Leute, die nicht rund um die Uhr für den Arbeitgeber zur Verfügung stehen wollen oder können, schützen, ohne die Freiheit der anderen zu beschränken? Was ist das menschliche Mindestmaß an sozialer Bindung zum Team, zu den Arbeitskolleginnen und -kollegen, zum Vorgesetzten und zur Betriebsstätte? Wie können wir die Mitsprache der Beschäftigten etwa bei der Auswahl von Arbeitsmitteln sicherstellen? Wie können wir ihr Recht auf Interessenvertretung auch in Abwesenheit stärken?«

Die IG Metall befürchtet, dass ohne geregeltes Rahmengerüst mobiles Arbeiten allzu leicht zu »Arbeiten ohne Ende« wird und die Beschäftigten total von der Arbeit ver­einnahmt werden könnten. Sie fordert daher, angemessene Standards für mobiles Arbeiten in den Betrieben zu ver­einbaren. Das beginnt bei der technischen Ausstattung für mobiles Arbeiten und den Home-Arbeitsplatz und geht bis hin zu Schutzregelungen gegen eine ständige Verfügbarkeit. Christiane Benner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall: »Wir müssen die langfristigen Folgen eines gefährlichen Stand-by-Modus’ und dauerhafter Selbstüberforderung im Auge behalten. Vor allem müssen wir einen Schutzraum für die Menschen sichern, in den die ständige Erreichbarkeit nicht eindringen kann.« Mobiles Arbeiten brauche einen guten Rahmen, der den Kolleginnen und Kollegen gute Arbeitsbedingungen bietet und der die Flexi­­bilität zu ihren Gunsten gewährleistet, betont die Gewerkschafterin.

Tarifverträge regeln BYOD

Bring Your Own Device (BYOD): Die Möglichkeit, eigene technische Geräte (Notebooks, Smartphones, Tablets) zu dienstlichen Zwecken zu nutzen, nimmt in vielen Betrieben zu. Was kaum jemand weiß: Zu diesem Thema gibt es bereits in vielen Tarifverträgen Regelungen. Beispielsweise ist im Manteltarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie in Niedersachsen in § 7 Abs. 3 vereinbart: »Den Beschäftigten wird das benötigte Werkzeug kostenlos zur Verfügung gestellt. Wird mit Zustimmung des Arbeitgebers eigenes Werkzeug benutzt, so ist dafür eine Entschädigung zu bezahlen, die im Einvernehmen mit dem Betriebsrat festgelegt wird.« Vergleichbare Regelungen gibt es in acht weiteren Tarifgebieten. Weitere Informationen geben der Betriebsrat und die örtliche IG Metall.

Die Arbeitswelt von morgen: sieben Trends

Die Studie »Evolving Workforce« von Dell und Intel hat folgende Trends für die Arbeitswelt von morgen ausgemacht:

Trend 1: Virtuelle Teams nivellieren Hierarchien
In der Arbeitswelt von morgen arbeiten die Menschen zusammen ohne sich überhaupt zu kennen. Teams werden ad-hoc zusammengestellt und sind über Kommunikationsmittel verbunden (Cloud Computing). Diese Teams definieren sich vor allem funktionell und weniger durch Hierarchien.

Trend 2: Das Arbeitsergebnis wird wichtiger als die Arbeitszeit
Bisher war die Arbeitswelt vor allem über die Verteilung der Arbeitszeit organisiert. Untern den Bedingungen virtueller Teams lässt sich die Produktivität aber nur unzureichend über die Anzahl der aufgewendeten Stunden erfassen. Neue output-orientierte Messmethoden werden eingeführt. Allgemeine Standards müssen sich aber noch entwickeln.

Trend 3: Der Einsatz mobiler Geräte nimmt zu
Es wird eine Vielzahl unterschiedlicher Endgeräte und Betriebssysteme geben, die auf die jeweiligen Einsatzbereiche abgestimmt sind. Cloud Computing bietet dafür einen praktisch unbegrenzten Vorrat an Daten und Anwendungen.

Trend 4: Generationenkonflikte drohen
Der Austausch von Know-how zwischen erfahrenen und jüngeren Beschäftigten (»Digital Natives«) wird zunehmen. Die unterschiedlichen Werte und Arbeitsstile dieser Gruppen bergen das Risiko von Konflikten und Spannungen.

Trend 5: Werte werden wichtiger als Regeln
Die IT gibt Arbeitgebern künftig die Möglichkeit, die Arbeit der Beschäftigten umfassend zu analysieren. Das kann zu Misstrauen führen und dazu, die Arbeitsprozesse stärker zu reglementieren. Weitblickende Unternehmen werden eher auf ein »Werte-« als auf ein »Regel-basierendes« Modell
setzen.

Trend 6: Die IT übernimmt neue Aufgaben
Die Beschäftigten stellen neue Anforderungen an die IT (Konsumentenorientierung). Beschäftigte werden sich künftig
ihren Arbeitgeber stärker nach dessen IT-Ausstattung aus­suchen.

Trend 7: Beschäftigte initiieren Innovationen
Die Business-Software wird nicht mehr ausschließlich vom Management oder von der IT konzipiert und übernommen, sondern zunehmend von den Beschäftigten entsprechend eigener Anforderungen.

Beschäftigte sind skeptisch

Die Beschäftigten in der ITK-Branche können gut mit flexiblen Arbeitsmodellen umgehen. Das gaben 82 Prozent der ITK-Befragten bei der diesjährigen Beschäftigtenbefragung der IG Metall an. Viele von ihnen (26 Prozent) würden gerne einen Teil der regulären Arbeit von zu Hause aus erledigen. Besonders wichtig ist den ITKlern die Balance von Arbeit und Privatleben. Flexibilität darf nicht dazu führen, dass die Arbeit das Privatleben stark beeinträchtigt. In diesem Sinne äußerten sich 92 Prozent von ihnen. 88 Prozent der ITK-Beschäftigten ist es wichtig, die tägliche Arbeitszeit kurzfristig an private Bedürfnisse anpassen zu können.

Allgemein stehen deutsche Beschäftigte einer virtualisierten und mobilen Arbeitswelt skeptisch gegenüber. Dies zeigt eine 2013 erschienene Gemeinschaftsstudie von Dell und Intel (siehe auch Seite 11). Danach wünschen sich nur 33 Prozent vorrangig mobiles Arbeiten. Aber 46 Prozent der deutschen Befragten gehen davon aus, dass diese Arbeitsform in den nächsten Jahren auf sie zukommen wird. Mehr als die Hälfte glauben, dass Telearbeit dem Teamgeist schadet. Einfache Angestellte sind zu zwei Dritteln, Führungskräfte sogar zu drei Vierteln dieser Ansicht. Außerdem befürchten viele, so die Studie, dass der Arbeitgeber sie bei der mobilen Arbeit stärker überwachen könnten.

Während heute noch 83 Prozent der deutschen Beschäftigten das Gefühl haben, sie hätten »Wahlfreiheit darüber, wie sie ihre Arbeit verrichten«, gehen nur 76 Prozent der von Dell und Intel Befragten davon aus, dass dies auch in zehn Jahren noch so sein wird. Die Umfrage von Dell und Intel hält ebenfalls fest, dass die Hälfte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland der Meinung ist, an einem Arbeitstag zu viel machen zu müssen und sich dies in Zukunft auch nicht verbessern werde. Dies sei der Hauptgrund dafür, dass sich die meis­ten (65 Prozent) flexiblere Arbeitszeiten wünschten.

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