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Gender Mainstreaming

Arbeit & Beruf - Gender Mainstreaming

Gleichstellungspolitische Herausforderungen in der ITK-Industrie: Das Rad in Schwung bringen

29.05.2013 | Die ITK-Industrie ist für Frauen ein zunehmend bedeutender Arbeitgeber. Der Anteil an weiblichen Beschäf­tigten liegt hier deutlich höher als in verarbeitenden Branchen. Aber es ist noch einiges zu tun, um Frauen in Hightech-Firmen zu fördern und mit ihren männlichen Kollegen beruflich gleichzustellen. Dies hat ein Projekt der IG Metall festgestellt.

Mehr Frauen zu beschäftigen ist für ITK-Unternehmen unverzichtbar. Diese Einsicht reift in der Branche vor allem angesichts des demografischen Wandels und der verstärkten Nachfrage nach gut qualifizierten Fachkräften. Viele Firmen umwerben daher inzwischen insbesondere junge Frauen. Sie beginnen damit bereits an Schulen und Hochschulen. Dieser Trend ist erfreulich, muss aber weiter gestützt und ausgebaut werden.

Zu diesem Ergebnis kommt das Projekt »Arbeitsorientierte Innovationspolitik zur Sicherung und Förderung der Frauenbeschäftigung in industriellen Branchen« der IG Metall und der Beratungsgesellschaft Wertarbeit. Das Gemeinschaftsprojekt, das sich schwerpunktmäßig auch mit der Frauen­erwerbstätigkeit in der ITK-Industrie befasst, wurde mit Bundes- und EU-Mitteln gefördert.

Betrachtet man die vergangenen 20 Jahre, stellt man fest, dass der Frauenanteil in der ITK-Industrie mit rund 30 Prozent (1999: 29,9 Prozent) im Vergleich zu anderen Industriezweigen relativ hoch und in etwa gleich geblieben ist. Bei einer solchen Zukunftsbranche, die beständig wächst und Vorreiterin für moderne Arbeitsformen ist, kann dies weiter ausgebaut werden.

Zudem ist es für weibliche Beschäftigte nach wie vor schwer, in hochqualifizierte Positionen vorzudringen. Und nur ein sehr geringer Anteil von Frauen ist in den obersten Führungspositionen zu finden. Die meisten weiblichen Beschäftigten sind in den mittleren Entgeltgruppen eingestuft, für die eine abgeschlossene Berufsausbildung, mehrjährige Berufserfahrung und spezielle Fachkenntnisse Voraussetzung sind.

Ausbildungschanchen verbessern
Auffällig ist, dass der Frauenanteil an allen Auszubildenden in der ITK-Industrie mit 25,9 Prozent unter dem aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten (29,6 Prozent) in der Branche liegt. Eine qualifizierte und ITK-spezifische Ausbildung spielt jedoch eine wichtige Rolle, um in diesem Hightech-Sektor den beruflichen Einstieg zu finden, gleichgültig ob in den kaufmännischen oder technischen Bereichen. Die Ausbildungsaktivitäten der ITK-Unternehmen gehen allerdings seit Jahren zurück. Das macht es doppelt schwierig, den Frauenanteil in der Branche zu erhöhen. Gab es 2001 noch rund 20000 Ausbildungsplätze in den ITK-Firmen, waren es 2012 trotz steigender Beschäftigtenzahlen nur noch 16200.

Positiv könnte sich auswirken, dass zwar die »klassischen« Ausbildungen rückläufig sind, aber die dualen Ausbildungsgänge vermehrt angeboten werden – und zwar sowohl bei den kaufmännischen wie den technischen Berufen. Damit sind möglicherweise interessantere Jobs und bessere Aufstiegschancen verbunden.

Nach wie vor dominieren die Frauen bei den »klassischen« ITK-Ausbildungsberufen und bei der dualen Ausbildung in den kaufmännischen Bereichen. Daher bedarf es weiterhin vielfältiger und vermehrter Anstrengungen von Politik und einzelnen ITK-Unternehmen, mit speziellen Werbeaktivitäten das Interesse von jungen Frauen an technischen Berufen zu wecken.

Auch bei der Teilnahme an betrieblicher Weiterbildung liegen Frauen im Vergleich mit ihren männlichen Kollegen in der ITK-Branche teilweise noch weit zurück. Dies gilt speziell für Frauen in den »produzierenden« Zweigen der ITK-Industrie, wie etwa im Bereich »Herstellung von elektronischen Bauelementen und Leiterplatten«.

Nicht zuletzt besteht in der gesamten Branche nach wie vor ein erhebliches Einkommensgefälle zwischen Frauen und Männern. Dieses ist in den höheren Einkommensgruppen, in denen hochqualifizierte Beschäftigte und Führungskräfte eingestuft sind, sogar deutlich größer als in den niedrigen. Am stärksten trifft es die ostdeutschen Frauen.

Hohe Entgletdiffernzen belegen auch die Daten der IG Metall Entgeltanalyse 2013. Danach weichen die Verdienste von Frauen und Männer in einzelnen Berufen der unteren Entgeltgruppen um bis zu 18,1 Prozent und in einzelnen Führungspositionen um bis zu 15,9 Prozent voneinander ab. Das »Gleichstellen«-Projekt wird seine Ergebnisse am 19. Juni auf einer Abschlusstagung zur Diskussion stellen.

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