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ITK-Arbeitskreis: Branche im Umbruch – Folgen für die Beschäftigten

26.09.2016 | Die aktuelle Entwicklung der ITK-Branche stand im Mittelpunkt des ITK-Arbeitskreises der IG Metall am 20. September 2016 in Frankfurt, an dem rund zwanzig Betriebsräte aus ITK-Unternehmen teilnahmen.

Die ITK-Branche ist für die IG Metall nach wie vor ein gewerkschaftliches Handlungsfeld von besonderer Bedeutung. Sie ist in vieler Hinsicht Vorreiter für Veränderungsprozesse bei den Arbeitsbedingungen, die – aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung in allen Industrie- und Kundenbereichen – früher oder später auch in vielen anderen Branchen Einzug halten werden. Die derzeit stattfindenden „tektonischen Verschiebungen“ innerhalb der Branche stellen die Gewerkschaft jedoch vor große Herausforderungen. Sie sind nicht eindeutig, und ihre Folgen für die Beschäftigten sind nicht ohne weiteres absehbar.

So lässt sich bei IBM, Hewlett Packard und Nokia beobachten, dass der Standort Deutschland für die international agierenden ITK-Unternehmen an Bedeutung zu verlieren scheint. Die Steuerung der Unternehmen verlagert sich zunehmend auf die europäische Ebene. Viele Produktionsbereiche werden oder wurden bereits abgezogen und ins Ausland verlagert. Zentrale Funktionen wie Vertrieb, Beratung, Forschung und Entwicklung werden zu kleineren Einheiten aufgespalten oder gar in Frage gestellt. Sie wandern damit in die Peripherie der Kernunternehmen, die sich auch durch die Aufkäufe von Spezialunternehmen und Start-ups immer weiter ausdehnt. Zudem führt die in der Branche weit fortgeschrittene Digitalisierung dazu, dass immer mehr Aufgaben ins Netz verlagert, virtualisiert und heute bereits in hohem Maße von billigen Werkvertraglern ausgeführt werden.

Auf der einen Seite schaffen neue Arbeitsmethoden – wie agiles Arbeiten – neue Handlungsspielräume für die Beschäftigten und bessere Voraussetzungen für die Wertschätzung individueller und kollektiver Leistungen. Auf der anderen Seite zeigt sich eine gefährliche Tendenz zur Auflösung „normaler“ Arbeitsverhältnisse durch die Ausdehnung von ungeregelter mobiler Arbeit, Crowd Working, Leih- beziehungsweise Werkvertragsarbeit. Diese macht sich auch bei den tarifgebundenen Unternehmen bemerkbar, die aktuell dabei sind, derartige Spielräume und faire – das heißt: wertschätzende – Bezahlung wieder zurückzunehmen, indem sie sich von bestehenden Tarifverträgen ganz oder teilweise verabschieden. In angrenzenden Bereichen, so etwa bei den Entwicklungsdienstleistern, zeigen sich ähnliche Entwicklungen.

Wie stellt sich hier die IG Metall künftig auf? Wie verändern sich die Märkte in der ITK-Branche? Welche Folgen hat das für die Unternehmen und für die Produkte, aber vor allem für die Beschäftigten? Welche Bedeutung haben die bestehenden Tarifverträge für die Branche? Warum gibt es kaum Widerstand oder ein Aufbegehren in den Belegschaften angesichts der zunehmenden Verunsicherung und der wachsenden Risiken in der Branche? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Diskussion. Sie machte deutlich, wie notwendig es ist, die Branchenentwicklungen verstärkt in den Blick zu nehmen, zu analysieren und daraus ein strategisches Handlungskonzept abzuleiten, um die Digitalwirtschaft hierzulande nachhaltig zu stärken und um dort mehr Beschäftigte zu erreichen, Gute digitale Arbeit sowie sichere Arbeitsplätze zu verankern.

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