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Vodafone plant Stellenbau und Auslagerungen: Billigstrategie ist der falsche Weg

29.05.2013 | Der neue Chef der Vodafone GmbH will das Unternehmen umkrempeln: 700 Stellen sollen gestrichen, 200 Stellen unter verschlechterten Bedingungen geschaffen, einzelne Aufgaben nach Rumänien, Indien und in eine tariflose Servicegesellschaft ausgelagert, die Einstiegsgehälter gekappt werden. Eine Billigstrategie, gegen die sich die Beschäftigten jetzt wehren.

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Mitte April hat die Vodafone GmbH ihre Zentrale auf dem Vodafone-Campus in Düsseldorf angesiedelt, einem der modernsten Gebäudekomplexe in Deutschland. Die deutsche Tochtergesellschaft des Telekommunikationskonzerns Vodafone ist auf Wachstumskurs und hat in den letzten Jahren satte Gewinne einfahren können. Daher ist der nun an­gekündigte radikale Kurswechsel des neuen Vorsitzenden der Geschäftsführung der Vodafone GmbH, Jens Schulte-Bockum, weder für die IG Metall, noch für den Betriebsrat, noch für die Beschäftigten nachvollziehbar.

Stellenabbau angekündigt
In einem persönlich gehaltenen Schreiben an die »lieben Kolleginnen und Kollegen« begründet der neue Chef seinen Plan damit, dass sich der kommerzielle Druck durch »sehr preis­aggressive Wettbewerber« erhöhe und die Politik »seit Jahren investitionsfeindlich« agiere. Er wolle daher das Unternehmen »wetter- und zukunftsfest« machen und dessen Produktivität und Effizienz erhöhen. Besonders im Blick hat er Einstiegs­gehälter, die angeblich weit über dem Marktniveau lägen. Außerdem sollen Aufgaben stärker zentralisiert, einzelne Tätigkeiten nach Rumänien ausgelagert und mehr IT-Aufgaben künftig in Indien erbracht werden. Damit will Schulte-Bockum rund 500 Stellen in Deutschland einsparen. Ferner möchte er die Gehälter senken und variabler gestalten. Auch die Tarifbindung einer neu zu gründenden Service-Gesellschaft für die Kundenbetreuung stellt er in Frage. Bisher sind die Arbeitsbedingungen bei Vodafone weitgehend auf der Basis der Tarifverträge der Metall- und Elektroindustrie Nordrhein-Westfalens geregelt.

Für den Gesamtbetriebsrat bei Vodafone Deutschland ist dies »die bislang bedrohlichste Entscheidung der Unternehmensgeschichte«. Ohne jegliche Risikoanalyse würden Bereiche in Frage gestellt, kritisiert er. Auch das »Führen nach Kosten« basiere auf beispielloser Einfalllosigkeit und gefährde den Fortbestand von Vodafone Deutschland.

Harsche Kritik an einer solchen Billigstrategie kam auch von der IG Metall. »Schlimmer kann man mit dem Vertrauen der Mitarbeiter nicht umgehen«, sagt Sabine Bube, Vodafone-Betreuerin der IG Metall. Insbesondere gegen die angekündigte Abschiebung von 2500 Beschäftigten in eine Servicegesellschaft ohne Tarifbindung wehrt sich die Gewerkschaft. Denn das Ziel ist offenkundig: Vodafone will die Einstiegsgehälter um mindestens 30 Prozent absenken und Druck auf ältere und verdiente Kolleginnen und Kollegen ausüben, damit diese das Unternehmen verlassen. Auf diese Weise sollen schnell neue Beschäftigte unter kostengünstigeren Bedingungen eingestellt werden.

Unter dem Slogan »Jens, wir wehren uns!« hat die IG Me­tall an verschiedenen Standorten offene Mitgliederversammlungen abgehalten, um Informationen auszutauschen und mit den Beschäftigten Ideen für das weitere Vorgehen gegen eine solche Tarifflucht zu diskutieren.

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