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Aufsichtsratswahlen: Gewerkschaftsmandate ausgebaut

14.03.2015 | Bei den diesjährigen Wahlen zum Aufsichtsrat in zwei wichtigen ITK-Unternehmen – SAP und Vodafone – konnten die Gewerkschaften ihre Mandate behaupten. Bei SAP zog erstmals ein externer Gewerkschafter in das Gremium ein.

Dr. Sebastian Sick

Bei Vodafone konnten die Mandate der Gewerkschaftsvertreter im Aufsichtsrat gefestigt werden. Hier zogen als externe Gewerkschaftsvertreter Knut Giesler (IG Metall) und Joachim Pütz (Verdi) in den Aufsichtsrat ein. Bei den betrieblichen Arbeitnehmervertretern gelangen Dirk Wilharm, Toni Wolf und Susanne Aichinger von der Liste IG Metall/Verdi der Einzug in das Mitbestimmungsgremium.

Bei SAP wählten die Beschäftigten erstmals einen externen Gewerkschaftsvertreter in den Aufsichtsrat. Dr. Sebastian Sick, der von der IG Metall und Verdi unterstützt wurde, ist Rechtsanwalt und Referatsleiter Wirtschaftsrecht bei der Hans-Böckler-Stiftung und Experte für Europäisches Gesellschaftsrecht, Mitbestimmung und Corporate Governance. Er war bereits beratend an der Umwandlung von SAP in eine Europäische Aktiengesellschaft (SE) beteiligt.

Interview mit Dr. Sebastian Sick, Rechtsanwalt und Referatsleiter Wirtschaftsrecht bei der Hans-Böckler-Stiftung und neu gewähltes Mitglied im Aufsichtsrat von SAP

Wie hast Du Deine Wahl als erster externer Gewerkschaftsvertreter in den SAP-Aufsichtsrat aufgenommen?
Ich war erst einmal überwältigt von der hohen Anzahl der Stimmen, die auf mich verfielen und bedanke mich bei allen, die mich bei der Wahl unterstützt haben. Damit verbinde ich ein klares Signal für mehr Mitbestimmung in Deutschlands größtem IT-Unternehmen. Als externer Gewerkschaftsvertreter werde ich hier kein Heimspiel haben. Aber ich finde es großartig, dass es nach anfänglichen Vorbehalten gegenüber der Wahl eines Betriebsrats nach dem Betriebsverfassungsgesetz nun auch gelungen ist, gewerkschaftliche Kompetenz in den Aufsichtsrat einfließen zu lassen.

Worauf führst Du Deinen Wahlerfolg zurück?
Gewerkschaften haben bei SAP offenkundig an Vertrauen gewonnen. Ihre Vertreter in den Betriebsräten haben sich als verlässliche Partner an der Seite der Beschäftigten erwiesen. Das ist ein Bonus, der mir als gemeinsamem Kandidaten von IG Metall und Verdi sicherlich zugute gekommen ist. Darüber hinaus habe ich meinen Sachverstand bei SAP im Rahmen der SE-Verhandlungen bereits unter Beweis stellen können. Hierbei habe ich auch die Kultur des Unternehmens, das Miteinander, die Dialog- und Kompromissfähigkeit, kennengelernt. Mein Ziel ist es nun, diese Erfahrungen und Expertise in den Aufsichtsrat einzubringen.

Wofür wirst Du Dich besonders einsetzen?
Ich möchte die Zusammenarbeit mit den Betriebsräten fördern, um gemeinsam, aber mit verschiedenen Rollen, das Unternehmen weiterzuentwickeln und die Arbeitnehmer von SAP zu stärken. Die Herausforderungen, die sich durch Umstrukturierungen, Änderungen des Geschäftsmodells (Cloud) und die Internationalisierung der Belegschaft stellen, lassen sich nur in enger Kooperation von Aufsichtsrat und Betriebsräten bewältigen. Das Modell der deutschen Mitbestimmung wird im Ausland sehr geschätzt. Ich will mit dazu beitragen, dass wirtschaftlicher Erfolg und gesetzliche Mitbestimmung sich nicht ausschließen, sondern – im Gegenteil – einander bedingen.

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