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Hewlett Packard: Grenzüberschreitende Solidarität

15.10.2013 | Bei Hewlett Packard (HP) rumort es. Nicht nur in Deutschland, sondern europaweit wehren sich HP-Beschäftigte gegen das rigide Sparprogramm und den geplanten Stellenabbau des amerikanischen Computerkonzerns. In Spanien kam es sogar zu einem landesweiten unbefristeten Streik, den HP-Beschäftigte aus anderen europäischen Ländern mit unterstützten.

HP-Beschäftigte wehren sich

Eine von HP angekündigte Lohnkürzung von zehn Prozent, Arbeitszeiten von bis zu 60 Stunden pro Woche und regelmäßige Sonntagsarbeit ohne Zuschläge brachten die HP-Beschäftigten in Madrid, Barcelona, Zaragoza und Oviedo im Juni auf die Palme. »Die Löhne sind in Spanien ohnehin nicht gerade hoch«, sagt Adolfo Julio Garcia Campero, Mitglied im Europäischen Betriebsrat von Hewlett Packard und Gewerkschafter. »Und gerade jetzt, wo in Spanien viele Beschäftigte aufgrund der Folgen der Finanzkrise teilweise auch ihre arbeitslosen Angehörigen mitversorgen müssen, ist das Geld in den Familien äußerst knapp. Das hat dazu geführt, dass den HP-Beschäftigten an allen spanischen Standorten der Kragen geplatzt ist.«

Rund 2.000 HP-Beschäftigte im ganzen Land nahmen an dem unbefristeten Streik teil. Auch viele der von HP ausgesourcten Beschäftigten am Standort Léon, die sich im Oktober mit einem längeren Ausstand gegen die Ausgliederung gewehrt hatten, unterstützen die Protestaktionen, zu denen die Gewerkschaften zuvor stark mobilisiert hatten. An einigen Standorten nahmen bis zu 90 Prozent der Belegschaft daran teil. Während dieser Zeit erhielten die Arbeiter weder Lohn noch Streikgelder. »Für viele war das sehr hart. Daher war für uns wichtig, unverzüglich mit dem Unternehmen zu verhandeln und schnell ein Ergebnis zu erzielen. Der Streik hat den entsprechenden Druck erzeugt«, berichtet Campero.

Auch im Ausland, insbesondere in Deutschland und Italien, selbst in Großbritannien, solidarisierten sich viele HP-Beschäftigte mit den streikenden spanischen Kolleginnen und Kollegen. Und so lenkte das Management bereits nach fünf Tagen ein und erklärte sich dazu bereit, die meisten geplanten Maßnahmen zunächst zurückzustellen. »Deshalb konnten wir den Arbeitskampf relativ schnell beenden«, so Campero.

Mit den Maßnahmen, die das Unternehmen nicht zurückgezogen hat, werden sich nun die Gerichte befassen. »Wir sind zuversichtlich, dass HP damit vor Gericht nicht durchkommt«, erklärt der Gewerkschafter und Betriebsrat. »HP ist wirtschaftlich nicht angeschlagen und die Maßnahmen ökonomisch keineswegs zwingend.«

Zuvor hatten sich die spanischen Kolleginnen und Kollegen mit den deutschen Beschäftigten des von Schließung bedrohten HP-Standorts Rüsselsheim solidarisiert. »In ganz Europa wächst die Protestbewegung gegen HP. Überall sind die Menschen beunruhigt«, sagt Campero.

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