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HP in Bulgarien: Angriffe auf Gewerkschaft

06.01.2014 | Der Computerkonzern Hewlett Packard (HP) toleriert in den neuen östlichen EU-Mitgliedstaaten, dass gegen elementare Gewerkschaftsrechte verstoßen wird. In Bulgarien verwehrte das örtliche Management Gewerkschaftsvertretern den Zugang zum Betrieb, blockierte eine Beschäftigtenumfrage und hält unfaire Arbeitsbedingungen aufrecht.

HP Bulgarien

Die verstärkte globale Zusammenarbeit von Gewerkschaften und Betriebsräten bei HP (siehe IT-Magazin 4/2013) wird von dem Weltkonzern in Osteuropa offenbar nicht überall gerne gesehen.
Teilnehmern an einer internationalen Konferenz zum Welttag für Menschenwürdige Arbeit 2013 verweigerte das örtliche Management den Zutritt zum Betrieb. Diese war von der Betriebsgewerkschaft des bulgarischen Gewerkschaftsbundes unabhängiger Gewerkschaften am HP-Standort Sofia in Bulgarien organisiert worden. Die am 7. Oktober 2013 angereisten Besucher­innen und Besucher aus Belgien, Deutschland, den Niederlanden, Spanien und Rumänien mussten daher auf ein nahe gelegenes Hotel ausweichen.
In der Woche zuvor hatte das lokale HP-Management in Sofia der örtlichen Betriebsgewerkschaft bereits untersagt, eine elektronische Beschäftigten-Umfrage über das Wohlbefinden der Kolleginnen und Kollegen am Arbeitsplatz zu starten. Und auch 2011 war der Standort negativ aufgefallen, weil dort die Wahlen zum Europäischen Betriebsrat nicht nach bulgarischem Gesetz durchgeführt wurden, sondern nach Vorgaben des Managements.
Mehrfach hatte die HP European Alliance, ein gemeinsames Projekt der Gewerkschaftsbünde IndustriAll Europe und UNI Europa, das HP Management für den osteuropäischen Wirtschaftsraum aufgefordert, in Bulgarien die Grundrechte der lokalen Betriebsgewerkschaft zu respektieren und Verstöße gegen Gewerkschaftsrechte nicht zu tolerieren. Die Konferenz „Our Future @ HP in Europe“ am 7. Oktober 2013 sollte ebenfalls dazu dienen, den sozialen Dialog in den neueren EU-Mitgliedstaaten zu stärken.
HP hatte gerade in diesen Ländern in den letzten Jahren mehrere neue Standorte eröffnet. Doch die Arbeitsbedingungen dort lassen noch immer zu wünschen übrig: Während ein kleiner Teil der Belegschaften relativ gute Arbeitsbedingungen vorfindet, muss sich der überwiegende Teil mit niedrigen Löhnen, unbezahlten Überstunden und prekären Arbeitsverhältnissen begnügen. Statt sich am europäischen Sozialmodell zu orientieren, so die Kritik der HP European Alliance, stütze sich HP insbesondere in Bulgarien und Rumänien auf unfaire Modelle und nehme seine Rolle nicht wahr, die europäische Sozialgesetzgebung auf allen Ebenen des Managements zu etablieren und einzuhalten.

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