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ITK-Sektor - ITK-Arbeitsmarkt

Fachkräftenachwuchs: So muss ein guter Arbeitgeber sein

13.09.2017 | Junge IT-Kräfte haben die Wahl und suchen sich ihren Arbeitgeber bewusst aus. Worauf achtet der talentierte Nachwuchs? Eine junge Metallerin und ein junger Metaller geben Auskunft über ihre ganz persönlichen Anforderungen an einen Job.

Jonas Kolesnyk studiert Informatik an der Technischen Universität Berlin – und hat schon Jobangebote. „Immer wieder werde ich von Bekannten oder Freunden angesprochen, die mir von freien Stellen erzählen. Im Prinzip kann ich mir jetzt schon aussuchen, wo ich arbeiten möchte.“ Der 28-Jährige hat bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung zum Mechatroniker absolviert und weiß jetzt schon, wie es nach dem Studium weitergehen soll. Entscheidend für seine Wahl des künftigen Arbeitgebers sind nicht nur wirtschaftliche Aspekte, obwohl er sein Studium über BAföG und einen Nebenjob selbst finanziert hat. Als Vater von zwei Kindern möchte er nicht jeden Tag starr ins Büro rennen müssen, sondern auch mal von zu Hause arbeiten können. „Das ist ein Pluspunkt, wenn das möglich ist. Es gibt mir Freiheit und Flexibiliät.“

Flache Hierarchien und Zeit für Bildung sind weitere Aspekte bei der Berufswahl. Gerade das Thema Lernen ist ihm wichtig. „Wissen ist in der IT oft schon nach wenigen Jahren überholt. Der Arbeitgeber muss mir genug Zeit zugestehen, damit ich ständig dazulernen kann.“ Weiterbildung, wie man sie bislang kennt, ist dem IT-Studenten zu wenig. „Es geht darum, Erfahrungen zu sammeln und zugleich immer wieder Neues zu lernen. Beides muss ins Arbeitsleben integriert sein.“

Studierende sind flexibel und wägen Vor- und Nachteile bei einem neuen Job ab. Flache Hierarchien und die Anerkennung ihrer Arbeit sind wichtige Werte. Diese Erfahrung macht die IG Metall immer wieder. Als Gewerkschaft, die in den IT-Branchen stark vertreten ist, hat die IG Metall engen Kontakt zum Beispiel mit Studierenden in Betrieben und Hochschulen und weiß: Junge Talente haben klare Vorstellungen. Sie wollen Familien gründen und wählen deshalb Unternehmen aus, bei denen die Rahmenbedingungen passen.

Antje Jörgensen möchte nicht im neuen Job anonym in der Masse untergehen. Sie studiert dual bei Siemens im sechsten Semester Elektrotechnik und Automation in Stuttgart, schreibt gerade ihre Bachelorarbeit. Ihr Berufsstart steht also kurz bevor. Deshalb trifft sie bereits jetzt schon bei der Stellenwahl wichtige Entscheidungen. „Der Arbeitgeber darf den potenziellen Arbeitnehmer nicht als 08/15-Menschen in einer 08/15-Stelle sehen, sondern als Individuum mit persönlichen Bedürfnissen, auf die auch Rücksicht genommen werden muss. Und da sollte es schon auch auf der persönlichen Ebene Klick machen.“

Die 25-Jährige sieht die Wahl des Arbeitgebers als eine entscheidende Wahl für ihre Zukunft. „Ich will nicht das machen, was alle machen, sondern das Richtige für mich.“ Dazu zählt auch, dass sie in ihrem neuen Job ihre Weiterentwicklung aktiv gestalten kann.

Wollen Unternehmen im Kampf um den begehrten Fachkräfte-Nachwuchs bestehen, müssen sie sich auf die Vorstellungen einstellen. Das geht am besten, in dem Unternehmen gute Bedingungen garantieren. Am besten klappt das, wenn diese Bedingungen in Tarifverträgen festgeschrieben sind. Das gibt alles Seiten Sicherheit – und garantiert gute Arbeitsbedingungen auch dann, wenn die Zeiten einmal etwas rauer sind.