Engineering- und ITK-Tagungen

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Podiumsdiskussion: Solidarität in der Zusammenarbeit

25.10.2013 | Nicht nur in Deutschland sondern weltweit geraten die Arbeitsbedingungen für Ingenieure und IT-Experten unter Druck. Daher ist eine stärkere internationaler Zusammenarbeit von Gewerkschaften und Betriebsräten nötig, um Arbeitsstandards für die Zukunft zu sichern und weiterzuentwickeln. Darum ging es in der abschließenden Podiumsdiskussion am zweiten Veranstaltungstag der Engineering- und IT-Tagung von HBS und IG Metall.

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»Durch den Austausch mit Gewerkschaftern und Arbeitnehmervertretern aus anderen Ländern haben wir in China viel gelernt«, sagt Gaochao He, Direktor des Internationalen Zentrums für Joint Labour Research und Professor der Politikwissenschaften an der Sun Yat-Sen Universität in Guangzhou, VR China. »Billigarbeit und prekäre Beschäftigung sind in China ›out‹. In den vergangenen Jahren stiegen die Löhne um zehn bis zwölf Prozent.« Die Arbeiterbewegung sei in den letzten Jahren deutlich stärker geworden, so He. »Unter den Beschäftigten entwickelt sich ein stärkeres Selbstbewusstsein. Viele haben bereits Streikerfahrung. Die lokalen Gewerkschaften haben großen Zulauf.«

»Die Situation in China hat sich stark gewandelt«, berichtete auch Birgit Steinborn, Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Siemens AG. »Es ist längst nicht mehr so, dass deutsche Unternehmen wie die Siemens AG einfache Tätigkeiten dorthin auslagern. In China werden inzwischen hochwertige Produkte für den deutschen und amerikanischen Markt produziert.« Das heize den internationalen Konkurrenzdruck immer stärker an, so Steinborn. Die Antwort von Siemens darauf heiße »Siemens 2014«, eine Effizienzstrategie, die vor allem mit weiteren Verlagerungen und Stellenabbau verbunden sei. Die Betriebsräte setzen ihr ein eigenes Konzept entgegen, das den Menschen vor die Marge stellt, berichtet die Betriebsrätin.

Erfolgsmodell Mitbestimmung
Die deutsche Mitbestimmung sei ein Erfolgsmodell, das Siemens schnell aus der letzten Krise gebracht habe, so Steinborn. »Daher setzen wir auch in der jetzigen Situation große Hoffnung darauf.« Die Betriebsrätin würde es begrüßen, wenn dieses Modell auch in anderen Ländern Schule mache. Es ersetze aber nicht die Notwendigkeit der Arbeitnehmervertreter, international noch besser zusammenzuarbeiten. »Die internationale Solidarität wird noch immer auf eine harte Probe gestellt, wenn es um die Verlagerung von Arbeitsplätzen geht.«

Diese Erfahrung bestätigte Astrid Granzow, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats bei Atos. »Wir sehen jeden Tag, wie leicht das Unternehmen digitale Arbeiten von Hoch- in Niedriglohnländer verlagert und Arbeitnehmerrechte aushebelt.« Das französische Management halte nicht viel von Mitbestimmung. »Deshalb kommen wir nur weiter, wenn wir Betriebsräte international noch stärker kooperieren.«

Die mangelnde Fähigkeit zur Zusammenarbeit ist für Six Silberman, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität California in Irvine, der entscheidende Faktor, weshalb ein Großteil der »digital workers« in den USA unter prekären Bedingungen arbeitet. Am Beispiel Amazon verdeutlichte er, wie das Unternehmen systematisch darauf zielt, Solidarität unter den Beschäftigten zu verhindern. »Die Arbeit auf der von Amazon betriebenen Online-Plattform ›Mechanical Turk‹ wird nur nach Erfolg bezahlt. Diese ›digitale Individualisierung‹ erschwert kollektives Handeln und solidarische Aktion«, so Silberman.

Der Zusammenarbeit komme eine wichtige Rolle zu. Aber dazu müsse auch die eigene Stärke gegenüber den Unternehmen verbessert werden, betonte Christiane Benner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall. «Wäre die IG Metall in Forschung und Entwicklung ähnlich gut organisiert gewesen wie in der Produktion, hätten wir mehr über die Verlagerung von Wissensarbeit ins Ausland mitbekommen und uns besser dagegen stemmen können.«

Dass eine Entwertung der Arbeit durch die zunehmende Digitalisierung in Deutschland keine Zukunft haben dürfe, darüber waren sich alle Podiumsteilnehmer/-innen einig. Unstrittig war am Schluss ebenfalls, dass die Konferenz nur einen Anstoß geben konnte, Entwicklungstrends der IT- und Ingenieurarbeit und ihre absehbaren Folgen für die Beschäftigten zu thematisieren. So entstand der Wunsch, diese Debatte insbesondere auf internationaler Ebene weiterzuführen und zu vertiefen.

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