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ITK-Symposium

ITK-Symposium 2013

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ITK-Symposium 2013 der IG Metall »ITK-Industrie im Wandel« – Zukunft der ITK solidarisch gestalten

15.10.2013 | Die ITK-Industrie in Deutschland befindet sich aktuell wieder in einem strukturellen Umbruch. Die Symp­tome zeigen sich in fast allen Unternehmen der Branche: Technologiewandel, Marktumbrüche und Umstruk­turierungen; ständige Reorganisation, Arbeitsplatzabbau, Outsourcing sowie Near- und Offshoring. Gleich­zeitig werden ITK-Technologien in allen Branchen immer bedeutsamer. Die produzierende Industrie baut sogar verstärkt eigene ITK-Kapazitäten auf. Wohin treibt also die Branche? Was kommt auf die Beschäf­tig­ten zu? Diesen Fragen ging die IG Metall gemeinsam mit Experten aus Wissenschaft, Politik und Praxis sowie mehr als 100 Teilnehmenden aus ITK-Betrieben auf ihrem ITK-Symposium am 20. und 21. Juni in Frankfurt intensiv nach. Ziel war es auch, neue Ansätze kennenzulernen und Ideen zu entwickeln, um die Hightech-Branche im Sinne der Beschäftigten solidarisch mitzugestalten.

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Der aktuelle Umbruch in der ITK-Branche erscheint zu­nächst einmal widersprüchlich. Einerseits wächst die Branche unablässig und ist mit 900.000 Beschäftigten inzwischen der zweitgrößte Industriezweig Deutschlands. Sie genießt seit rund dreißig Jahren den Ruf als Vorreiter einer modernen und zukunftsorientierten Arbeitswelt mit kollegialen und innovativen Arbeitsbedingungen sowie guten Einkommen. Die ITK-Industrie spielt ferner eine zentrale Rolle bei technologischen, arbeitsorganisatorischen Innovationen, die in allen Industrien sowohl Produkte als auch die Arbeits- und Fertigungsbedingungen nachhaltig veränderten.

Andererseits wandeln sich die Märkte, Produkte und Tech­nologien immer schneller. Fast alle großen ITK-Unternehmen bauen gegenwärtig Arbeitsplätze ab oder verlagern ganze Arbeitsbereiche in Niedriglohnländer. Mit rigiden Sparprogrammen, Umstrukturierungen und Reorganisationen versuchen sie, Kosten zu senken und Margen zu verbessern, weil sie glauben, so besser im globalen Wettbewerb bestehen zu können.

Christiane Benner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, brachte die beiden Seiten der aktuellen Entwicklung in ihrem Einführungsreferat auf den Punkt: »ITK ist eine Treibertechnologie und Fundament neuer Produkte und Zukunftstechnologien in allen Branchen. Doch diese vermeintliche Erfolgsstory ist nicht frei von erheblichen und tiefgreifenden Umbrüchen.«

Die Gewerkschafterin erinnerte dabei an den Wandel von Großrechnern zu Personal Computern, an die Verlagerung der Hardwareproduktion aus Deutschland nach Asien, die Konzentration vieler Unternehmen auf IT-Dienstleistungen, den Crash der »New Economy«, das Zusammenwachsen von IT und Telekommunikation. Dabei hob sie hervor, dass alle diese Veränderungen teilweise mit erheblichen Einschnitten verbunden gewesen sind. »Vor allem die Beschäftigten be­kamen diese immer wieder schmerzhaft zu spüren.«

Zeigt sich darin ein bestimmtes Entwicklungsmuster? Die Frage stand im Mittelpunkt des ersten Veranstaltungstags, bei dem auf wichtige Stationen zurückgeblickt wurde, die die Branche prägten.

Belege dafür, dass Umbrüche in der ITK-Industrie stets mit großen Risiken für die Beschäftigten verbunden waren, lieferte auch Andreas Boes, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e.V. (ISF) München bei seinem Rückblick auf den Wandel von Technik und Arbeitsorganisation in der Branche. Aber be­sonders weitreichende Veränderungen für die Beschäftigten dürften sich ergeben, so Boes, wenn künftig ITK- und Prozesstechnik im Rahmen eines neuen Typs industrieller Unternehmen immer enger miteinander verzahnt würden. Dies könnte gigantische Technologie- und Produktivitätsschübe aus­lösen. Die Beschäftigten würden dadurch voraussichtlich noch weit stärker als bisher unsicheren Arbeitsverhältnissen, neuen Arbeitsbelastungen und einem »Sys­tem permanenter Bewährung« ausgesetzt.

Dass die Beschäftigten dem strukturellen Wandel in der ITK-Industrie jedoch keineswegs machtlos ausgeliefert sind, verdeutlichte Thomas Klebe, Justiziar der IG Metall. Am Beispiel des amerikanischen Computerkonzerns Digital Equipment Company (DEC) beschrieb er die Folgen der Ende der 1980er Jahre einsetzenden Krise für das Unternehmen, auf die das Management mit einem kurzsichtigen Rationalisierungskonzept reagierte. Das größte Manko sei dabei gewesen, so Klebe, dass sich die Beschäftigten ausgeschlossen fühlten, eigene Ideen beizusteuern, um die Unternehmenskrise zu bewältigen. Mit verschiedenen Aktionen, die 1993 in den ersten Streik in der deutschen Computerbranche gipfelten, setzten sie sich dagegen solidarisch zur Wehr. Sie er­kämpf­ten schließlich mit der IG Metall einen Tarifvertrag, der ihnen weitgehende Mitspracherechte, Beschäftigungssicherung und Schutz vor Rationalisierungsfolgen si­cherte.

Mitbestimmung und Tarifverträge sind in der ITK-Industrie inzwischen weitgehend Normalität. Darauf wurde in der an­schließenden Diskussion hingewiesen. Heute profitiere be­reits rund die Hälfte der ITK-Beschäftigten von Tarifverträgen. Insofern habe sich in der Branche viel getan, um die Kolleginnen und Kollegen in den ITK-Unternehmen besser vor den Risiken zu schützen, die Umstrukturierungen und Rationalisierungen mit sich brächten.

Zukunftspotenzial der Branche ausbauen
Aktuelle Branchentrends und neue Ansätze, um die ITK-Industrie zukunftsfähig weiterzuentwickeln, standen am zweiten Tag des Symposiums im Zentrum. Karl-Heinz Streibich, Vorstandsvorsitzender der Software AG, hob in seinem Vortrag die Rolle der ITK-Industrie als Jobmotor hervor und benannte Erfolgsfaktoren für ITK-Unternehmen. Das Zukunftspotenzial der deutschen ITK-Industrie sieht er insbesondere in einer engen Verbindung von Produktionstechnik und komplexen IT-Lösungen. Er stellte zudem deutliche Anforderungen an die Politik, Wirtschafts- und Technologieförderung.

Ein spannendes Entwicklungskonzept stellte Dieter Rombach, Professor am Fraunhofer Institut für experimentelles Software Engineering (IESE), vor. Er berichtete am Beispiel des ITK-Clusters in Kaiserslautern wie enge, auf Innovationen ausgerichtete Kooperationen vor Ort zwischen ITK-Unternehmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie Anwenderfirmen aus verschiedenen Branchen mit dazu beitragen können, das innovative Potenzial von Software- und ITK-Unternehmen kontinuierlich weiterzuent­wickeln. Dadurch lassen sich auch neue Arbeitsplätze schaffen.

Martin Schallbruch, IT-Direktor im Bundesinnenministerium, ging in seinem Beitrag über die ITK-Strategie der Bundesregierung ebenfalls auf die Bedeutung von regionalen ITK-Clustern ein. Dabei betonte er den hohen Stellenwert einer IT- und kommunikationstechnologischen Infrastruktur. Die Bundesregierung wolle die Digitalisierung in Deutschland mutig und konsequent ausbauen und die persönliche Sicherheit in den Netzen stärken.

Der Frage, wie sich die Branche in der Zukunft entwickeln wird und was auf die Beschäftigten zukommt, stellten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Diskussionsrunde am Ende des Symposiums. Diese wurde von Heinrich Vaske, Chefredakteur der Computerwoche, moderiert. Kann sich die Branche in Deutschland weiterhin als eigenständige Schlüsselindustrie behaupten? Wie wird sie künftig ihre Rolle in der Kooperation mit den Anwenderunternehmen aus anderen Industrien gestalten? Welche Anforderungen muss dabei die Politik erfüllen? Auch wenn es keine einfachen Antworten gab, waren sich die Experten und Praktiker auf dem Podium einig, dass die IG Metall ihren politischen und betrieblichen Einfluss in der Branche im Interesse der Beschäftigten ausweiten müsse. Im Dialog mit der Politik und dem Branchenverband Bitkom gelte es, Zukunftsthemen stärker zu besetzen. Wichtig sei zudem, auf nationaler wie auch auf EU-Ebene mehr Mitbestimmungsrechte einzufordern und innovative Veränderungsprozesse in den Betrieben anzustoßen, um Beschäftigung zu sichern und zu fördern.

Christiane Benner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall

»Das ITK-Symposium hat viele Facetten des aktuellen strukturellen Umbruchs in der ITK-Industrie eindrucksvoll beleuchtet. Wir stehen vor großen Herausforderungen: Big Data, Cloud Computing, intelligente mobile Netze, Industrie 4.0 werden die Arbeitsbedingungen stark verändern. Hinzu kommt, dass ITK sowie neue Prozess- und Produktionstechnologien in allen Industriezweigen immer stärker und schneller zusammenwachsen. Die ITK-Beschäftigten müssen diese Veränderungen mitgestalten, damit sie nicht zu ihren Lasten gehen. So wie vor zwanzig Jahren der erste Tarifvertrag bei DEC nur gemeinsam mit den engagierten Beschäftigten durchgesetzt werden konnte, will die IG Metall den aktuellen Wandel in der ITK-Industrie zusammen mit den Menschen aktiv angehen. Es geht darum, die Branche solidarisch, innovativ und zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Dazu müssen wir in den Unternehmen neue Konzepte einfordern. Eckpunkte für die IG Metall sind: Innovationsförderung und Beschäftigung in den Unternehmen durch tarifliche Regelungen sichern. Der jetzige Wandel muss auch durch Technologie-, Wirtschafts- und Forschungsförderung gestützt werden. Wir haben in Deutschland einen starken industriellen Kern und eine hohe Innovationsfähigkeit. Diese Stärken müssen von der ITK-Industrie stärker genutz werden. Die IG Metall steht für gute digitale Arbeit im Sinne der Beschäftigten.«

Bilder

Plakat ITK-Symposium

ITK-Symposium 2013 der IG Metall „ITK-Industrie im Wandel“

am 20. und 21. Juni 2013

in Frankfurt am Main

Über 100 Betriebsrätinnen und Betriebsräte, Fachleute und Beschäftigte der ITK-Branche haben sich auf dem zweitägigen ITK-Symposium 2013 der IG Metall unter dem Titel “ITK-Industrie im Wandel” mit der Entwicklung der ITK-Branche in Deutschland beschäftigt. Schwerpunkte waren die Auswirkungen des strukturellen Wandels auf die Beschäftigten und die Handlungsmöglichkeiten der Interessenvertretung. Auch die Gestaltung der bevorstehenden Entwicklung durch die IG Metall und Anforderungen an Unternehmen und Politik waren Thema. Mit vielen interessanten Referentinnen und Referenten konnten die Teilnehmenden die zurückliegende Entwicklung der Branche, als auch Zukunftsfragen der ITK in Deutschland diskutieren.

Hier die Dokumentation der Tagung einschliesslich der Materialien zu den Referaten.

Kontakt: itk(at)igmetall.de

Vorträge

Blanc - weißer Platzhalter

20 Jahre DEC-Streik

Titelblatt DEC-Dokumentation

In diesen Tagen jährt sich zum 20sten Mal die Tarifauseinandersetzung bei der Digital Equipment Corporation GmbH. Vom 14. bis 26. Juni 1993 fand damals der erste Streik in der deutschen Computerbranche statt.
Das hat die IG Metall am 20. Juni 2013 mit einem abendlichen Empfang im Rahmen des ITK-Symposiums gefeiert.

Interessierte können die Dokumentation der Tarifbewegung, des Streiks und des Tarifvertrages als PDF-Datei (30 MB) bei uns erhalten.

Einfach eine Mail an “itk(at)igmetall.de” senden.

DEC Schmetterling