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23. Ordentlicher Gewerkschaftstag der IG Metall: Gute digitale Arbeit in einer digitalisierten Gesellschaft

10.12.2015 | Die Zukunft der Arbeit bei fortschreitender Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft war eines der beherrschenden Themen des 23. Ordentlichen Gewerkschaftstags der IG Metall vom 18. bis 24. Oktober 2015 in Frankfurt. Der neu gewählte Vorstand, die gefassten Beschlüsse, aber auch viele Diskussionsbeiträge von örtlichen Delegierten setzten deutliche Signale: Es geht darum, die künftige Arbeitswelt sicher, gerecht und selbstbestimmt zu gestalten.

Jörg Hofmann, Christiane Benner

Sicher – gerecht – selbstbestimmt: An diesen Koordinaten will die IG Metall künftig Wirtschaft und Sozialstaat neu ausrichten. Für Jörg Hofmann, neuer Erster Vorsitzende der IG Metall, folgt daraus eine Wirtschaftspolitik, die Arbeit, Gesundheit, Umwelt und Klima dem wettbewerblichen Unterbietungskampf entzieht. „Wir wollen eine Wirtschaftspolitik, die Innovation fördert und die Lebensverhältnisse der Menschen verbessert.“ Es gehe da­rum, „den richtigen Anspannungsgrad zwischen Innovation für einen besseren Umwelt- und Klimaschutz und der Sicherung von Be­schäf­tigung zu finden.“

In der Digitalisierung der Arbeitswelt sieht er eine zentrale Herausforderung für die Gewerkschaften. Sie werde zur Nagelprobe für die Betriebs- und Tarifpolitik der IG Me­tall: Keiner dürfe unter die Räder kommen – dazu sei die Sicherheit des Arbeitsplatzes genauso notwendig wie der Erhalt von Qualifikation und Entgelt; gleichzeitig gelte es, sich einzumischen, um gute Arbeit in der digitalen Arbeitswelt möglich zu ma­chen. Mitbestimmung, Tarifbindung, Beteiligung stärken: Das sind für Hofmann die zentralen Hebel, um auch die Arbeit der Zukunft sicher, gerecht und selbstbestimmt zu gestalten.

Neues Normalarbeitsverhältnis
Deutlich sprach sich der neue IG Metall-Vorsitzende in seinem Zukunfts-Referat für ein neues Normalarbeitsverhältnis aus, das sich „durch sichere Arbeit, geschützt durch Gesetz und Tarifverträge, festes und ausreichendes Einkommen auszeichnet“, das aber zugleich „Sicherheit für alle bereithalten“ müsse, „gerade auch, wenn es Brüche und Umorientierungen im Lebenslauf gibt.“ Vehement trat er dafür ein, den Missbrauch von Werkverträgen zu verhindern. „Wir akzeptieren keine Beschäftigungsverhältnisse zweiter Klasse, denn sie machen aus den Beschäftigten Menschen zweiter Klasse.“

„Digital und sozial!“ – so lautet für die neue Zweite Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, die Orientierung, um die Arbeit der Zukunft zu gestalten: „Wir brauchen digitale Bürger- und Menschenrechte, ob nun in der alten oder in der neuen Arbeitswelt. Wir brauchen mehr Mitbestimmung, zum Beispiel beim Outsourcing und beim Datenschutz.“

Erfreut berichtete sie über wachsende Mitgliederzahlen gerade bei den Angestellten und den jungen Menschen. Dem Trend zu mehr Leiharbeit, Werkverträgen und Soloselbstständigkeit, die sie als „neue und radikale Form des Outsourcings“ betrachtet, möchte sie ein „Modell von Solidarität“ entgegensetzen. Die Kampagnen für mehr und bessere Bildung, gegen den Missbrauch von Werkverträgen und neue Erschließungskonzepte beispielsweise von Crowdworkern und Entwicklungsdienstleistern hätten hier bereits wichtige Wegmarken gesetzt.

„Klare Kante“ gegen Rechts
Einen weiteren Schritt in diese Richtung unternahmen die Delegierten, indem sie beschlossen, die IG Metall künftig auch für Selbstständige zu öffnen, „die gewerblich oder freiberuflich ohne selbst Arbeitgeber zu sein“ Tätigkeiten in Wirtschaftszweigen oder für Betriebe erbringen, die zum Organisationsbereich der IG Metall zählen.

Gute digitale Arbeit; ein wirksamer Arbeitnehmerdatenschutz, der die Persönlichkeitsrechte gewährleistet; ein neues Normalarbeitsverhältnis; Bildung und Qualifizierung, planbare Arbeitszeiten und mehr Zeitwohlstand sowie eine bessere Balance von Beruf und Privatleben als Voraussetzungen, um den Fachkräftebedarf zu sichern: Dies alles waren ebenfalls Themen, die sich in den Entschließungen, Leitanträgen und Beschlüssen des Gewerkschaftstags wiederfanden. Gefordert wurde darin unter anderem eine neue Humanisierungspolitik, mehr Mitbestimmung und Betei­ligung in den Betrieben sowie eine so­lidarische Tarifpolitik.

Überdies setzten die 485 Delegierten auf diesem Gewerkschaftstag deutliche Signale, um Werkverträge zu begrenzen, mehr junge Leute zu gewinnen, eine Arbeitszeitkampagne zu starten, die Tarifbindung zu stärken und gegen Fremdenfeindlichkeit in den Betrieben und vor Ort „klare Kante“ zu zeigen.

Bilder

  • Jörg