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Tagung „Disruptiver Wandel – Gute Arbeit in der digitalen Ökonomie neu gestalten“ am 28. Januar 2016 in Frankfurt: Empowerment in der digitalen Arbeit

14.03.2016 | Was bedeutet es für die Unternehmen, wenn die Digitalisierung mit bisher gezeigter Dynamik voranschreitet? Was passiert in der Arbeitswelt, wenn sich – nach dem Moorschen Gesetz – nicht nur die Rechnerkapazität, sondern auch der Datenumfang alle 18 Monate verdoppelt? Wenn alle technischen Komponenten, die die Digitalisierung vorantreiben, in immer kürzeren Zeiträumen kleiner, leistungsfähiger und preiswerter werden? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der zweiten Transferkonferenz des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten und vom Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF) München geleiteten Projekts „digit-DL”, das von der IG Metall als Kooperationspartnerin unterstützt wird, die auch Gastgeberin der Tagung war.

Tagung DigitDL

Das Thema „Digitalisierung” ist in den Unternehmen angekommen und wird als wichtige Herausforderung der Zukunft angesehen. Das zeigte sich deutlich auf der digit-DL-Tagung am 28. Januar 2016 in Frankfurt, an der rund 200 Betriebsräte, Gewerkschafter sowie Experten aus Unternehmen und Wissenschaft teilnahmen. Aber wie geht man mit den Veränderungen um, die hier beschrieben wurden und die auf die Betriebe sowie auf die Gesellschaft in den nächsten fünf bis zehn Jahren zukommen könnten?

Bereits wahrnehmbare Revolution
Viel Zeit zu überlegen gibt es nicht, machte Professor Wolf-Dieter Lukas vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in seiner Eröffnungsrede klar. Er sprach von einer bereits wahrnehmbaren Revolution mit einschneidenden Folgen nicht nur für die Arbeitsplätze, sondern auch für Städte und Gemeinden sowie für den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund forderte er geballte Anstrengungen in den Unternehmen, aber auch in der Bildungspolitik, um Kompetenzen, insbesondere gute Facharbeit, zu fördern. Damit kam er auf die Eckpunkte des BMBF-Forschungsförderprogramms zu sprechen. Sein Ministerium mache sich für eine breit aufgestellte Forschungspolitik stark. In den Unternehmen gelte es, innovationsfördernde Arbeitsbedingungen zu schaffen. Auch von Seiten des Staats müssten mehr Anstrengungen unternommen werden, so Lukas, um die Wertschöpfung bei guten Arbeitsbedingungen und gut gestalteter Arbeit in Deutschland zu stärken.

Alternatives Modell zu Silicon Valley
Die Wertschöpfung in Deutschland zu halten, ist auch zentrales Anliegen von Christiane Benner, zweite Vorsitzende der IG Metall. In ihrem Referat stellte sie gute digitale Arbeit und ein „Empowerment” der Beschäftigten als Voraussetzung dar, um die Potenziale der Digitalisierung als Chance für den Standort Deutschland nutzen zu können. Vertrauen in die Sicherheit und den Schutz der Daten, soziale Sicherheit, Mitbestimmung und Qualifizierung bilden für sie den Rahmen, um die digitale Ökonomie nachhaltig und erfolgreich mitzugestalten. Dazu bedarf es aus ihrer Sicht nachdrücklich eines Updates im Beschäftigtendatenschutz, mehr partizipativer Elemente bei der betrieblichen Mitbestimmung, eines verbindlichen Weiterbildungsanspruchs für Beschäftigte sowie der Qualifizierung großer Beschäftigtengruppen in den neuen Technologien sowie einer neuen Innovationskultur. Damit, so Benner, „können wir in der digitalen Ökonomie ein alternatives Modell zum Silicon Valley liefern und eine bessere Gesellschaft zugleich schaffen.”

Was sich derzeit in den Innovationsschmieden des Silicon Valleys abspielt, stellte Tobias Kämpf vom ISF vor. Anhand von einzelnen Fallbeispielen zeigte er, wie ein blinder Technizismus und eine disruptive Energie, mit der die Akteure innerhalb dieses „Biotops“ geradezu beseelt seien, die digitale Transformation vorantreiben. Deren Engagement ziele zwar vordergründig darauf, so Kämpf, eine „bessere Gesellschaft” zu errichten. Letztlich aber, so äußerten sich viele Tagungsteilnehmer in der anschließenden Diskussion, läuft die Entwicklung Gefahr, alles wegzuputzen, was an wirtschaftlichen Strukturen und sozialen Errungenschaften in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut beziehungsweise erreicht wurde. Einig waren sich zuletzt alle: Das deutsche Sozialmodell muss erhalten bleiben.

Innovationsfähigkeit ist der Schlüssel
Wie sich deutsche Unternehmen auf die digitale Transformation vorbereiten, beschrieb Dr. Ing. Stefan Hartung, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH. „Effizienz ist von gestern, heute gilt Effektivität“ – so kennzeichnete er eine neue Leitlinie, die bei Bosch zunehmend greift, um sich den Risiken zu stellen, die die fortschreitende Digitalisierung insbesondere in der Automobilindustrie mit sich bringt. „Wir denken nicht mehr in Produkten, sondern in Funktiona­litäten“. Viel Geld werde darin investiert, die Wertschöpfungsketten neu zu knüpfen, neue Geschäftsfelder entstehen zu lassen und um neue Formen des Marketings („user experience”) sowie der Arbeitsorganisation („agile Methoden”) einzuführen. „Der Schlüs­sel von allem ist, unsere Innovationsfähigkeit zu steigern”, so Hartung.
In den anschließenden Foren und Arbeitsgruppen konnten die vielen Fragen, die die Fachreferate bei den Teilnehmenden ausgelöst hatten, weiter diskutiert werden. Die wichtigste Erkenntnis dieses Tages war, dass der digitale Umbruch eine Riesenherausforderung für die Betriebe darstellt, die für die Betriebsräte nur durch mehr Kompetenz, proaktives Handeln und größtmögliche Beteiligung der Beschäftigten mitzugestalten ist.

­Weitere Informationen: www.digit-dl-projekt.de

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