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Die Informationstechnologie- und Telekommunikationsbranche (ITK) gehört zu den größten Arbeitgebern in Deutschland. Seit mehr als 40 Jahren gestaltet die IG Metall mit den Beschäftigten aktiv die Arbeitsbedingungen in der Branche mit. In nahezu allen ITK-Unternehmen engagieren sich unsere Mitglieder für sichere Arbeitsplätze, Gute Arbeit und gerechte Einkommen. In großen und in kleinen Betrieben stehen wir den Beschäftigten kompetent zur Seite, beraten und informieren sie. Unsere Tarifverträge und Entgeltanalysen wirken weit in die Branche.

Betrieb & Praxis - Atos (incl. SIS)

Atos: Tarifergebnis unter Vorbehalt

30.09.2016 | Unterstützt von bundesweiten Belegschaftsaktionen und Warnstreiks sowie einem positiven Medienecho haben sich der Arbeitgeberverband Metall NRW, der IT-Konzern Atos und die IG Metall am 13. Juli nach harten Verhandlungen auf ein bundesweites Tarifergebnis unter Vorbehalt geeinigt.

Atos 9_2016

Rückwirkend zum 1. September 2016 soll die Tariferhöhung in Höhe von plus 3,4 Prozent für 2015, die auf Betreiben des Arbeitgebers verschoben wurde, für alle Atos-Beschäftigten nachgeholt werden. Ebenfalls zu diesem Zeitpunkt und um Beschäftigung zu sichern, wird die jeweilige vertragliche Arbeitszeit um 1,9 Prozent reduziert, was 4,5 zusätzlichen Urlaubstagen pro Kalenderjahr entspricht. Gehaltswirksam werden somit die verbleibenden 1,5 Prozent.
Zum 1. November 2016 greift dann die Tariferhöhung 2016. Damit erhöhen sich die Entgeltbänder und auch die tariflichen Mindestansprüche von 105 Prozent des Bandwertes (erfolgreich absolvierte Probezeit) und von 115 Prozent (längere Berufserfahrung in der aktuellen Entgeltgruppe) um weitere 2,8 Prozent. Davon profitieren diejenigen, deren Entgelt andernfalls unter diese Mindestansprüche sinken würde. Das sind immerhin knapp 1000 Beschäftigte. Dass diese Erhöhung nicht an alle Beschäftigten weitergegeben wird, war nach dem harten Ringen ein Zugeständnis der IG Metall. Allerdings sollen alle Mitglieder der IG Metall exklusiv eine Erholungsbeihilfe bekommen.
Das Ergebnis steht jedoch unter dem Vorbehalt, dass Atos sich bis zum 13. September 2016 (nach Redaktionsschluss) bereit erklärt, die im Tarifabschluss Metall- und Elektroindustrie (M + E) für 2017 ausgehandelten 2,0 Prozent Entgeltsteigerung zu übernehmen, und sich langfristig zu einer Tarifbindung verpflichtet.

Abschied vom Tarifvertrag?
Seit der Tarifrunde 2015 versucht der IT-Konzern Atos, sich von den Entgeltvorschriften des 2013 mit der IG Metall NRW abgeschlossenen Flächentarifvertrags für die IT-Dienstleistungsbranche zu verabschieden. Dieser sieht Entgelterhöhungen mit einer einmonatigen Verzögerung in gleicher Höhe wie die Tariferhöhungen M + E vor. Im letzten Jahr drängte Atos – mit dem Argument, die wirtschaftliche Lage des Unternehmens sei schwierig – auf eine Sonderlösung. Dies hatte zur Folge, dass die Tariferhöhung für alle Atos-Beschäftigten zunächst auf 2016 verschoben wurde, damit das Unternehmen wieder auf die Erfolgsspur kommt. Allerdings konnte die IG Metall erreichen, dass alle Mitglieder die 2015 eigentlich fälligen Tariferhöhungen in Form von Einmalzahlungen für den Zeitraum bis zum 1. Mai 2016 erhalten haben.
Seit Ende 2015 wurde jedoch immer deutlicher, dass der Arbeitgeber von den Tariferhöhungen M + E gänzlich Abschied nehmen wollte, obwohl sich die wirtschaftliche Situation inzwischen verbessert hatte. Atos führt als Grund an, dass die Tarifabschlüsse der IG Metall dauerhaft höher seien als andere Tarifabschlüsse in der IT-Dienst­leistungsbranche. Noch deutlicher sei der Abstand zu tariflosen Unternehmen.
Bei den diesjährigen Tarifverhandlungen ließ Atos dann die Katze aus dem Sack: Erst wollte das Unternehmen gar keine Tariferhöhung zahlen, dann kostenneutral lediglich 0,5 Prozent für 2015. In einer weiteren Verhandlungsrunde bot Atos für 2016 immerhin 1,5 Prozent an – dies aber leistungsorientiert. Zukünftige Tariferhöhungen sollten nur noch gewährt werden, wenn die Planungen von Marge und Gewinn dies zuließen.
Das wollten sich die Beschäftigten nicht gefallen lassen. Mit vielfältigen Aktionen und örtlichen wie zentralen Warnstreiks – unter anderem in Hamburg, Essen, Köln, Holzminden, Berlin, Fürth, Stuttgart und München – machten sie klar, dass sie nicht bereit waren, diese Haltung des Arbeitgebers hinzunehmen. Bundesweit nahmen 3000 Kolleginnen und Kollegen an Warnstreiks teil. Allein 700 Streikende gab es in Fürth, wo am 22. Juni 2016 die Verhandlungskommission tagte.
Angesichts dieses Drucks kam endlich Bewegung in die Verhandlungen. Atos stimmte am 13. Juli zu, die 2015 eingeforderte Abweichung vom Rahmentarifvertrag IT-Dienstleistung zu beenden und die darin enthaltenen Entgelttabellen auch für Atos um die Tariferhöhung von 3,4 Prozent aus 2015 und 2,8 Prozent aus 2016 zu erhöhen.

Spitzengespräch vereinbart
Zur Frage der Tariferhöhung 2017 um 2,0 Prozent, zum Verfahren der Tariferhöhungen ab 2018 und zur langfristigen Tarifbindung schlug Atos ein Spitzengespräch vor, in dem beide Seiten ihre Positionen klar ausgetauscht haben, aber noch kein Durchbruch erreicht wurde.
„Wir haben Atos verdeutlicht, wie wichtig die vertragsgemäße Übernahme der 2,0 Prozent Entgeltsteigerung für 2017 ist – und zwar auch für das Unternehmen. Erst dann kann bei den Beschäftigten wieder Vertrauen in die Verlässlichkeit des Konzerns entstehen. Atos hat sich nun Bedenkzeit ausbedungen, um die Forderungen der IG Metall mit der Konzernspitze in Paris zu besprechen“, sagt Konrad Jablonski, Unternehmensbeauftragter der IG Metall bei Atos.
Weiterhin drängt die IG Metall darauf, dass Atos auch künftig tarifgebunden bleibt. „Wir setzen nach wie vor auf eine gemeinsame Lösung auf dem Verhandlungswege“, so Juan Carlos Rio-Antas, Verhandlungs­führer vom Vorstand der IG Metall. „Die Kolleginnen und Kollegen bei Atos haben mit ihren Warnstreikaktionen allerdings deutlich gemacht, dass sie auch anders können, wenn ihre Geduld überstrapaziert wird.“

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