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IG Metall: die Gewerkschaft in der ITK
Die Informationstechnologie- und Telekommunikationsbranche (ITK) gehört zu den größten Arbeitgebern in Deutschland. Seit mehr als 40 Jahren gestaltet die IG Metall mit den Beschäftigten aktiv die Arbeitsbedingungen in der Branche mit. In nahezu allen ITK-Unternehmen engagieren sich unsere Mitglieder für sichere Arbeitsplätze, Gute Arbeit und gerechte Einkommen. In großen und in kleinen Betrieben stehen wir den Beschäftigten kompetent zur Seite, beraten und informieren sie. Unsere Tarifverträge und Entgeltanalysen wirken weit in die Branche.

ITK-Sektor - Internationales

ITK-Branche vor dem Brexit: Risiken für deutsche Digitalwirtschaft

30.09.2016 | Großbritannien zählt für die deutsche ITK-Branche zu den zehn wichtigsten Handelspartnern und ist eines der bedeutendsten Exportländer für IT- und Telekommunika­tionsprodukte aus Deutschland. Welche Folgen hat der Brexit für die deutsche ITK-Branche? Viele Unternehmen und Beschäftigte sind unsicher.

Brexit

Google-Chef Sundar Pichai machte sich Sorgen über den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union und den damit verbundenen Folgen: Für ein globales Unternehmen sei es eine Herausforderung, sich in jedem Land mit anderen Gesetzen und Regulierungen auseinanderzusetzen. „Diese Komplexität macht ein stärkeres Engagement schwierig, was sich dann auch in den Investitionen ausdrückt“, betonte er Ende Juni gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“. Zieht sich Google damit aus Groß­britannien zurück, auch wenn der Konzern dort jahrelang von der laxen Steuerpraxis profitierte? Vodafone erwägt zumindest, seinen Hauptsitz aus London zu verlegen. Zuversichtlich äußerte sich dagegen SAP-Chef Bill McDermott zum Brexit. Auf lange Sicht könnte der Ausstieg der Briten dem deutschen Softwarekonzern sogar zu neuen Aufträgen verhelfen. Ein SAP-Sprecher betonte gegenüber dem „Manager Magazin“, dass regulatorische und rechtliche Fragen „hunderte Gespräche“ mit Kunden initiierten. Das habe sich in der Vergangenheit in ähnlichen Situationen immer wieder gezeigt.

Bitkom prognostiziert Umsatzeinbußen
Für den Branchenverband Bitkom überwiegen die Risiken bei der Bewertung des Brexits für die deutsche Digitalwirtschaft. „Es ist zu erwarten, dass sich Großbritannien von den Standards des digitalen Binnenmarkts entfernen wird“, erklärte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder nach der Brexit-Entscheidung. Für Unternehmen in Deutschland bedeute das, dass sie sich mit abweichenden Regeln in Großbritannien beschäftigen müssen. „Gerade für Mittelständler und Start-ups ist das oft kaum möglich“, so Rohleder. Neben dem Warenaustausch werde der Brexit auch negative Auswirkungen auf die übrigen Wirtschaftsbeziehungen, etwa für die Freizügigkeit für Arbeitnehmer, haben. „IT-Dienstleister, die fast immer in internationalen Teams arbeiten, werden künftig nicht mehr von der Arbeitnehmerfreizügigkeit profitieren können“, gibt Rohleder zu bedenken. Ein gemeinsamer digitaler Binnenmarkt, der Großbritannien mit einschließe, müsse das Ziel bleiben.
Bitkom befürchtet außerdem, dass sich der Brexit auf die gesamte europäische IT-Industrie negativ auswirken könnte. Die Branche werde – nach Schätzungen des Verbands – nur langsam wachsen. Während sie im vergangenen Jahr noch ein Plus von 2,9 Prozent verzeichnete, rechnet Bitkom für 2016 nur mit einem Wachstum von 0,7 Prozent, so Bitkom-Chefvolkswirt Axel Pols.

IG Metall befürchtet Jobverluste
Die „Computerwoche“ vermutet dagegen, dass die deutsche ITK-Industrie von dem Brexit durchaus profitieren könnte. Die Standortkarten in Europa dürften künftig neu gemischt werden, berichtete die Fachzeitschrift Ende Juni. Viele IT-Anbieter würden sich nach neuen Quartieren umschauen. Für viele Analysten rücke Deutschland damit als größter verbleibender IT-Markt in der EU in der Beliebtheitsskala nach vorne. Dies verbessere sicherlich den Service von Anbietern in Deutschland und schaffe zudem den einen oder anderen Arbeitsplatz.
Die IG Metall hat den geplanten Ausstieg Großbritanniens aus der EU bedauert. Sie sieht im Brexit nicht nur für die britischen, sondern auch für die Beschäftigten und Gewerkschaften in ganz Europa eine große Gefahr. Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, befürchtet massive Probleme für die engmaschige Wertschöpfungskette des europäischen Industrieverbunds insgesamt. Ein Ausstieg aus der EU käme aber aus Sicht von IG Metall-Vorstandsmitglied Wolfgang Lemb nicht nur der deutschen Wirtschaft teuer zu stehen. „Durch einen Brexit wären auch die fundamentalen Rechte der britischen Beschäftigten und hunderttausende Jobs auf der Insel gefährdet“, so Lemb. Insbesondere sei mit negativen Auswirkungen auf die Mitbestimmung zu rechnen.
Für die IG Metall steht fest: „Wir werden weiter mit unseren britischen Kollegen in den über 320 europäischen Betriebsräten daran arbeiten, dass die britischen Standorte Perspektiven haben“, so der IG Metall-Chef.
Der Brexit ist auch in den Europäischen Betriebsräten von SAP, IBM, Hewlett Packard und anderen international agierenden ITK-Unternehmen derzeit vorherrschendes Thema.

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