Willkommen bei der IG Metall

IG Metall: die Gewerkschaft in der ITK
Die Informationstechnologie- und Telekommunikationsbranche (ITK) gehört zu den größten Arbeitgebern in Deutschland. Seit mehr als 40 Jahren gestaltet die IG Metall mit den Beschäftigten aktiv die Arbeitsbedingungen in der Branche mit. In nahezu allen ITK-Unternehmen engagieren sich unsere Mitglieder für sichere Arbeitsplätze, Gute Arbeit und gerechte Einkommen. In großen und in kleinen Betrieben stehen wir den Beschäftigten kompetent zur Seite, beraten und informieren sie. Unsere Tarifverträge und Entgeltanalysen wirken weit in die Branche.

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Entwicklungs-und IT-Dienstleister: Mehr Schutz durch Tarif

13.09.2017 | Tarifverträge nutzen beiden Seiten – den Unternehmen wie den Beschäftigten. Gerade in der Branche der Entwicklungsdienstleister(EDL) wird das Thema Tarifvertrag derzeit akut. Die Unternehmen stehen vor Herausforderungen, immer mehr Beschäftigte wünschen sich Schutz. Zwei Beispiele zeigen, wie sich die IG Metall für Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen einsetzt.

Die Unterschrift ist noch ganz frisch. Gerade erst haben IG Metall und die Geschäftsführung des Entwicklungsdienstleisters PSW in Gaimersheim einen Tarifvertrag geschlossen – nach rund vier Jahren der Verhandlungen. „Das war ein Kraftakt”, sagt Jens Nuthmann, Betriebsratsvorsitzender bei PSW. Seit Anfang Juli nun ist der nagelneue Tarifvertrag in Kraft – und die rund 1.000 Beschäftigten profitieren von geregelten Verhältnissen: Mehrarbeit wird vergütet, wer Teilzeit arbeitet, hat ein Rückkehrrecht in Vollzeit, Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind jetzt abgesichert.

Ein toller Erfolg – der allerdings nicht vom Himmel fiel „Ohne die Unterstützung der Beschäftigten”, sagt Betriebsratsvorsitzender Nuthmann, „hätten wir das nicht geschafft.” Die Metallerinnen und Metaller bei PSW hatten die jeweiligen Verhandlungstermine mit Aktionen begleitet, ein Aktivenkreis der IG Metall hatte sich im Betrieb für den Tarifvertrag stark gemacht.

Damit haben die Kolleginnen und Kollegen ihren Teil dazu beigetragen, faire Bedingungen in ihrer Branche zu schaffen. Denn das ist der große Vorteil, den Tarifverträge haben: Sie sorgen für gleiche Arbeitsbedingungen in einer gesamten Branche. Johann Horn, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ingolstadt, beschreibt den Zweck von Tarifverträgen so: „Entwicklungsdienstleister – auch PSW – stehen in einem harten Wettbewerb um Aufträge. Dieser Wettbewerb muss über Innovationen und Cleverness ausgetragen werden. Deswegen brauchen wir faire und klare Regeln über Arbeitsbedingungen und Entgelte, möglichst in der ganzen EDL-Branche.”

Bei der Bezahlung orientiert sich der Haustarifvertrag bei PSW am Flächentarifvertrag für die Metall- und Elektroinustrie, bezieht sich allerdings nicht auf eine 35-, sondern auf eine 39-Stunden-Woche. „Die Umsetzung der Entgeltstrukturen wird uns noch einige Zeit in Atem halten”, sagt Nuthmann. „Aber mit dem Tarifvertrag unterstützen wir die Neuausrichtung des Unternehmens auf mehr Innovationen, hoch qualifizierte Arbeit, Leistungsanreize und langfristige Personalentwicklung.”

Die segensreiche Wirkung eines Tarifvertrags kennen die Beschäftigten beim Ingenieurdienstleister IAV schon seit Langem. Dort gibt es einen eigenständigen Tarifvertrag seit 1989. Damals hatten ihn die IG Metall-Kolleginnen und -Kollegen von Volkswagen angeregt. Sie wollten der Gefahr einer „Schmutzkonkurrenz” vorbeugen. Der Automobilkonzern ist zu 50 Prozent an IAV beteiligt und tarifgebunden. Deshalb sollten auch die rund 200 Entwicklerinnen und Entwickler bei IAV auf dem in etwa gleichen Niveau beschäftigt werden wie sie. Die ließen sich von der Idee sogar begeistern. Inzwischen hat IAV 6.000 Beschäftigte, die ihren Tarifvertrag nicht missen möchten.

Die damals mit dem Arbeitgeber ausgehandelte Vereinbarung enthielt keine vorgestanzten, sondern IAV-spezifische Regelungen, die zum Großteil bis heute
gelten. Es wurden eigene Entgeltgruppen und -stufen definiert. Der Arbeitgeber hatte darauf zu achten, dass die Beschäftigten „entsprechend ihren Fähigkeiten” und nicht auf der Grundlage ihrer Tätigkeiten bezahlt wurden. Die Kolleginnen und Kollegen wünschten sich überdies kein extra Urlaubs-und Weihnachtsgeld.

Das sollte besser in die monatlichen Entgelte eingerechnet werden. Auch Mehrarbeitszuschläge wurden vereinbart „Es gab aber immer wieder auch unangenehme Dinge – die Folge von Kompromissen eben”, erinnert sich Mark Bäcker, Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei IAV. So konnte die geforderte 36-Stunden-Woche nicht durchgesetzt werden. Auch der Eigenanteil von 50 Prozent, den die Beschäftigten selbst tragen müssen, wenn sie sich fort- und weiterbilden, sowie die Einführung von Flexikonten waren Zugeständnisse an den Arbeitgeber, der ständig Druck machte. 2009/2010 konnte die Belegschaft – nicht zuletzt mit Warnstreik-Aktionen – ein rigides Sparprogramm verhindern, mit dem der Arbeitgeber neun Millionen Euro bei den tariflichen Leistungen einsparen wollte.

„Bis heute müssen wir die Vorteile unseres Tarifvertrags immer wieder verteidigen”, sagt der Betriebsratsvorsitzende. „Ständig heißt es, wir sind zu teuer. Aber wir leisten dafür hochwertige Arbeit. Mag sein, dass wir in neues Fahrwasser geraten und die Autokonzerne ihren Einkauf dazu verdonnern, vor allem auf billige Lösungen zu setzen”, erklärt Bäcker. „Dann müssen wir künftig kämpfen. Die Kolleginnen und Kollegen, die die EDL-Branche kennen, wissen, dass es sich lohnt.”

Wie wichtig das Engagement der Beschäftigten in den Betrieben ist, zeigt ein Beispiel aus der verwandten Branche der IT-Dienstleister. Bei Atos, dem drittgrößten IT-Dienstleister Deutschlands, gilt der Rahmentarifvertrag IT-Dienstleistungen. Als der Arbeitgeber vereinbarte Tariferhöhungen nicht zahlen wollte, wehrten sich die Beschäftigten. Die IG Metall hatte 2015 Rücksicht auf die schwierige wirtschaftliche Lage genommen und einer Verschiebung der Erhöhungen um ein Jahr zugestimmt. Ein fairer Deal, der auf die Bedürfnisse beider Seiten einging. Als die Erhöhung anstand, wollte Atos nichts mehr von der Vereinbarung wissen und bot magere 0,5 Prozent an – und das gleich für drei Jahre. Das akzeptierten die Beschäftigten nicht. Sie traten in Warnstreiks und machten Druck. Ergebnis: Heute sind alle Tariferhöhungen voll umgesetzt, und alle Beschäftigte erhalten eine Erholungsbeihilfe.

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